Kolumne | Samstag, 24. Juli 2010 08:12 | 82728

Stresstests sollen dazu dienen, das durch die Euro-Schuldenkrise angeschlagene Vertrauen der Investoren in die europäischen Finanzinstitute wieder herzustellen. Doch was ist ein Stresstest wert, der nur eine normale Rezession, nicht jedoch mögliche Staatsbankrotte einpreist?



Artur P. Schmidt: Bankenstresstests oder wie man Stress vertuscht

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 Experiment für Warmduscher: Von 91 europäischen Banken sollen 84 stressresistent sein.
 

Von Artur P. Schmidt
info@wissensnavigator.com

Durch Stresstests sollen die Auswirkungen eines Wirtschaftseinbruches und starker Kursverluste bei Staatsanleihen auf die Bilanz der zu untersuchenden Banken überprüft werden. Wenn die Kapitalquote einer Bank nicht unter sechs Prozent fällt, gilt der Test als bestanden.

Experiment für Warmduscher
Was bei all diesen Tests vergessen wird ist, dass es bei möglichen Staatsbankrotten kein Eigenkapital bei den meisten Banken mehr geben wird, so dass wahrscheinlich mehr als 50 Prozent der Banken eine wirkliche Krise kaum überstehen würden. Von wirklichen Extremsituationen kann bei den durchgeführten Stresstests keine Rede sein, vielmehr wurde ein Experiment für Warmduscher durchgeführt. Richtig interessant wird es jedoch erst, wenn die Märkte komplett implodieren. Dann kommt der der Härtetest für Kaltduscher.

Bauernopfer
Von 91 getesteten Banken sind nur 7, d.h. etwa 8 Prozent durchgefallen, darunter einige spanische Sparkassen oder die deutsche Hypo Real Estate, die sich der Öffentlichkeit kaum glaubhaft als stressresistent hätten verkaufen lassen können. Ist also alles in Ordnung? Die simulierten Verluste belaufen sich auf bis zu 566 Milliarden Euro für alle getesteten Banken. Dies jedoch bei einer moderaten Rezession. Kommt es zu Staatsbankrotten dürften sich die Verluste jedoch auf die zehnfache Summe akkumulieren, d.h. auf mindestens 5 Billionen Euro.

Kein wirkliches Fieber gemessen
Es besteht wohl kein Zweifel daran, dass der EU-Test nicht hart genug war. Hier wurde nur eine erhöhte Körpertemperatur gemessen, nicht jedoch der Zustand eines sehr hohen Fiebers. Zwar mag die Offenlegung der Resultate Investoren kurzfristig beruhigt haben, doch eine fundierte Glaubwürdigkeit sieht anders aus.

Eigenkapitalquote von 30 Prozent erforderlich
Die Stresstests werden nicht dazu führen, dass sich die Probleme im Finanzsystem in Luft auflösen. Die Finanzkrise der Banken weltweit ist viel dramatischer als dass so genannte Stresstests wirklich beruhigen könnten. Der eigentliche Stresstest wird noch kommen und diesen wird das Wirtschaftssystem ohne Eigenkapitalquoten bei Banken von mindestens 30 Prozent nicht ueberstehen.
Welcome to the real world!


Artur P. Schmidt
Der Wirtschaftskybernetiker Dr.-Ing. Artur P. Schmidt wurde in Stuttgart geboren. Er besuchte im Stadtteil Zuffenhausen das Ferdinand-Porsche-Gymnasium und machte dort das Abitur. Das Studium der Luft- und Raumfahrttechnik in Stuttgart und Berlin schloss er im Alter von 27 Jahren mit  der Bestnote im Fachgebiet Raketentechnik ab, so dass ihm von Prof. H.H. Koelle die Promotion angetragen wurde. Im Alter von 30 Jahren erhielt Artur P. Schmidt den Doktortitel für ein kybernetisches Marktanalyse-Verfahren am Beispiel der Strategischen Planung von Airbus Industries. Nach einer Beratungstätigkeit bei Anderson Consulting sowie als Leiter der Strategischen Analyse der Ruhrgas AG war Dr. Schmidt Stipendiant der Stiftung zur Förderung der systemorientierten Managementlehre und letzter Schüler von Prof. Hans Ulrich, dem Begründer des St. Galler Management-Ansatzes. Während dieser Zeit begann Dr. Schmidt seine publizistische Laufbahn, aus denen Bestseller wie «Endo-Management» und «Der Wissensnavigator» sowie Wirtschaftsbücher wie «Wohlstand_fuer_alle.com» oder «Crashonomics» hervorgingen. Sein neuestes Buch, welches im EWK-Verlag (
www.ewk-verlag.de) erschienen ist, heisst  «Unter Bankstern».

Heute ist Artur P. Schmidt Herausgeber des Online-News-Portals www.wissensnavigator.com sowie der Finanz-Portale www.bankingcockpit.com, www.wallstreetcockpit.com, www.futurescockpit.com und www.optioncockpit.com sowie Geschäftsführer der Tradercockpit GmbH (www.cockpit.li). Dr. Schmidt ist ein gefragter Keynote-Speaker sowie Kolumnist für zahlreiche Finanzpublikationen. 



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  • Artur P. Schmidt: Der Alpen-Hedge-Fonds
    Das Ausmass der aktuellen Krise in der Schweiz hat auch unmittelbar mit der Grösse unserer Banken zu tun. Ein kritischer Ausblick zeigt weiteres Gefahrenpotenzial, das den Standort Schweiz in seinen Grundfesten erschüttern kann.
  • Artur P. Schmidt: "Unter Bankstern"
    Die Banken haben den Planeten in ein riesiges globales Ponzi-Schema verwandelt. Sie werden fragen, was dies ist? Nun, es ist ein Schnellballsystem, bei dem diese immer mehr Geld von den Kunden einsammeln, Ihnen damit Produkte verkaufen, mit denen nur sie selbst verdienen, bei dem sie darauf hoffen, dass der Kunde die ihm angedrehten Produkte möglichst für immer behält und dann, falls das ganze Kartenhaus dennoch zusammenbricht, den Staat um Hilfe rufen.
  • Mit dem Cockpit-Ansatz durch die Krise navigieren
    Zug - Die Tradercockpit GmbH, Zug, hat mit ihrer Software i-matrix ein neues System zur Berechnung von Kursbewegungen entwickelt. Anstatt wie bereits etablierte Systeme auf einzelne Zahlenreihen zurückzugreifen, berechnet das von Artur P. Schmidt entwickelte System die Wechselwirkungen aus einer Vielzahl von Faktoren.
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    «Wenn der Fall Finanzplatz Schweiz zum Exempel einer ungehinderten Machtdemonstration Deutschlands genutzt werden soll, möglicherweise um die Festung Schweiz für die EU sturmreif zu bomben, so kann dies hierzulande nur als Amoklauf einer zunehmend handlungsunfähig und von drittklassigen Politikern gelenkten Bananenrepublik Deutschland wahrgenommen werden.»
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    Letztendlich handelt es sich beim aktuellen chinesischen Boom-Zyklus um einen von Investments getriebenen Boom. Die Beispiele in Japan und USA haben aufgezeigt, wie solche Zyklen enden: in einem grossen Knall. Der kommende Abschwung in China könnte sich somit als eine Monsterblase entpuppen, deren Platzen erst die eigentliche weltweite Depressionsphase einleiten wird.
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    «Dass man in einem kollabierenden System die kriminellsten Schwindler mit Bailouts belegte und somit den Grundstein für die heutigen Finanzkrisen der Nationalstaaten legte, ist die Krönung der Impertinenz der Bankster und zeigt die Unfähigkeit der heutigen Politiker. Die Erpressbarkeit des Staates durch Wallstreet-Schurken hatte eine neue Dimension erreicht.»
  • Artur P. Schmidt: Wir sind Gauck!
    «Während Christian Wulff ein Karrierist ist, der sich auf Machterhalt versteht, ist Joachim Gauck, der protestantische Pfarrer und Mitbegründer des Neuen Forums, ein aufrechter Demokrat und Vorkämpfer für die Deutsche Einheit. Gauck ist geradezu der perfekte Gegenentwurf zum hyperkonformen Wulff, der, wenn der Bundespräsident vom Volk gewählt würde, niemals eine Chance hätte.»
  • Artur P. Schmidt: Der grosse Rating-Wahnsinn
    Eine der Hauptursachen für die Finanzkrise sind die grossen Rating-Agenturen, die mit ihren völligen Fehleinschätzungen das Spielkasino mit toxischen Derivaten erst so richtig in Gang gebracht haben. Grund hierfür ist, dass die Rating-Agenturen eines der korruptesten Geschäftsmodelle haben, dass man sich vorstellen kann.
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    «Möglicherweise wird in einem deflationärem Schulden-Szenario der kurzfristige Zins sogar höher wie der langfristige, was nichts anderes bedeutet, als dass Bargeld zum höchsten Gut avancieren wird, wenn langfristiges Geldverleihen keinen Anreiz mehr bietet. Nicht die Inflation, sondern die Deflation frisst dann ihre Kinder in Gestalt der globalen Schuldenjunkies.»
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    Brüssel - Etwa eineinhalb Monate nach Offenlegung europaweiter Banken-Stresstests wollen die EU-Finanzminister bei einem Sondertreffen am 7. September die Ergebnisse bewerten. Das kündigte die EU-Kommission am Mittwoch in Brüssel an.
  • Artur P. Schmidt: Eine Welt voller Super-Bubbles
    «Bernankes ökonomische Sandkastenspiele sind - wie bereits Ludwig von Mises in aller Klarheit beschrieb - nichts anderes als die Globalisierung des amerikanischen Ponzi-Schemas und dessen Ausbreitung auf möglichst viele Nationalstaaten, um diese ebenso handlungsunfähig zu machen.»


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