Kolumne | Freitag, 12. Februar 2010 10:33 | 75175

«Es gab mal eine Zeit, da mussten Schüler und Studenten ihre Ergebnisse vorher auf ihre Richtigkeit abschätzen – die Stellen hinter dem Komma waren egal. Heute hat man 10 oder mehr Stellen hinter dem Komma, nur leider irrt man sich mittlerweile um Zehnerpotenzen.»



Artur P. Schmidt: Taschenrechner- versus Rechenschieber-Ökonomen

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Von Artur P. Schmidt
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Der Faktor 1000-Irrtum
Der fahrlässige Umgang mit Nullen spiegelt sich im späteren Berufsleben darin wieder, dass man jetzt nicht mehr Milliardenschulden macht, sondern, wer im Spiel der ganz grossen Player mitspielen will, muss sich schon mit Billionen verschulden. Was nützt es uns, wenn diese 10 Stellen hinter dem Komma genau ausgerechnet werden. Der Faktor 1000 spielt eine nicht zu vernachlässigende Rolle wenn es darum geht, Ursache und Wirkung oder Richtigkeit mit Genauigkeit zu verwechseln. Wenn der deutsche Staat 400 Millionen Euro Steuerschulden vom Bürger eintreiben will, andererseits jedoch 400 Milliarden Euro den Banken oder hunderte von Milliarden zur Hilfe für Griechenland ausgibt, dann haben wir einen um den Faktor 1’000 grösseren Betrug an den Bürgern als denjenigen, den diese möglicherweise begangen haben. Wenn Banken sich Boni einverleiben, dann sind diese um den Faktor 1’000 grösser als bei Normalbürgern, die Gehaltsboni am Ende des Jahres bekommen. Anstatt 1’000 Euro erhält ein Banker also gleich mal eine Million Euro, was mittlerweile als «Nonnenmacher-Effekt» bezeichnet werden kann – benannt nach dem Banker der HSB Nordbank, der in seiner Spielsucht Milliardenverluste für die hanseatische Landesbank mitverursacht hat und sich trotzdem nicht schämt, Millionenboni zu kassieren.

«Too big to fail»
Wenn man die Geldmenge um den Faktor 1’000 steigert, bringt dies um den Faktor 1’000 mehr Wachstum. So lautet die irrsinnige Formel der heutigen Ökonomen und Notenbanker. Beinahe hat es den Anschein, dass man wohl Ökonom oder Bankster sein muss, um Flüsse in die Richtung der Berge fliessen zu lassen. Vielleicht sind Schulden besser als Guthaben, denn wenn man nur genug Schulden hat, lässt einen eine Bank oder eine Notenbank nicht mehr fallen. «Too big to fail», also müssen wir nur alles mit dem Faktor 1’000 multiplizieren und schon wird die Welt besser. So werden die Schulden vernachlässigbar, denn durch das Gelddrucken erhalten wir wie durch ein Wunder beschleunigtes Wachstum. Doch auch in der Formel 1 des Geldes, den Notenbank-Grandprix, gibt es Gravitationsgesetze. Wer zu schnell druckt, d.h. den Hahn überdreht, wird früher oder später die Hyperinflation ernten, d.h. aus den Kurven fliegen. Wann dies passiert, kann niemand exakt prognostizieren. Dass es aber passieren wird, ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Damit der Normalbürger die Zeichen der Zeit und damit die ganze Chose nicht erkennt, muss dann auch gleich die Wahrheit um den Faktor 1’000 verzerrt werden. Wenn nur noch eine von 1’000 Zeitungen warnt, dass hier etwas nicht mit rechten Dingen zugehen kann, dann hat sich auch die Medienlandschaft in den Zauberwelten der ökonomischen Avatare verirrt, die uns weismachen wollen, dass man mit genug Gelddrucken die ökonomischen Grundprinzipien ausser Kraft setzen kann.

Überangebot in der Krise?
Vielleicht sollten wir uns bei so viel Zauberei fragen, was eigentlich hinter einem verkündeten US-Wirtschaftswachstum von 5,7% steckt. Der grösste Anstieg der Wirtschaftsaktivität kam dadurch zustande, weil die Unternehmen ihre Regale schneller wieder aufgefüllt haben als früher. Doch was, wenn diese Erwartungshaltung verfrüht ist? Was, wenn die weitere Erholung ausbleibt? Bedeutet dies nicht eigentlich, dass in den Geschäften mehr Waren ausliegen, als die Käufer kaufen können? So sieht kein nachhaltiges Wachstum aus, sondern nur dasjenige, welches uns die Gesundbeter eines bankrotten Systems verkünden. Wenn immer mehr Geld in den Umlauf kommt, welches auf nicht steigende Löhne und immer mehr Arbeitslose trifft, dann kann dieses Geld nur dann zu einem nachhaltigen Wachstum führen, wenn es schneller umlaufen würde. Dies ist jedoch nicht der Fall. Tatsächlich befindet sich dieser Indikator auf einem Rekordtiefsstand seit Ende des Zweiten Weltkrieges, d.h. die Umlaufgeschwindigkeit wird immer langsamer, da das Geld von den Banken gehortet wird und somit immer weniger Kredite an Unternehmen und Konsumenten vergeben werden.



Abb. 1: M1 Money Multiplier

Geldhortung untergräbt den Aufschwung
US-Notenbankpräsident Bernanke kann somit tun, was er will, d.h. er kann noch so viel Geld in das System pumpen: Wenn es nicht gelingt die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes anzuheben, werden alle Gelddruckorgien verpuffen. Wenn der Indikator unter 1 fällt bedeutet dies, dass je mehr Geld gedruckt wird, desto geringer die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes wird. Geht der Money-Multiplier MULT (=MB/M1) gegen Null, haben wir sehr schnell erneut den Faktor 1’000, d.h. die Geldmenge M1 ist um eine Zehnerpotenz grösser als die monetäre Basis MB (umlaufende Banknoten und Münzen, Banknoten und Münzen in Tresoren sowie der Bankreserven). An keiner anderen Chart als an der oberen erkennt man besser, dass es um die US-Wirtschaft nicht gut bestellt sein kann, wenn der Money Multplier Index auf einem Rekordtief ist. Während sich bei der Krise 2003 der Indikator auf deutlich reduziertem Level stabilisierte, ist er im Jahr 2008 geradezu crashartig eingebrochen, was das immense Ausmass der Verwerfungen sichtbar macht. Konnten frühere Krisen mit zweistelligen Milliardenspritzen bekämpft werden, musste man jetzt schon Mega-Ampullen von zweistelligen Billionenbeträgen injizieren um zusätzliche Liquidität bereitzustellen. Derartige Überdosen, um damit ein kaputtes System zumindest kurzfristig zu stabilisieren, führen jedoch, wie das Beispiel Argentinien gezeigt hat, über kurz oder lang nach einer deflationären Bereinigungsphase zu einer Hyperinflation. Der Anleihe-Crash ist wie der nachfolgende Argentinien-Chart aufzeigt auch in den USA somit unausweichlich!



Abb. 2: Argentinische Geldmengenblase kurz vor dem Staatsbankrott


Artur P. Schmidt
Der Wirtschaftskybernetiker Dr.-Ing. Artur P. Schmidt wurde in Stuttgart geboren. Er besuchte im Stadtteil Zuffenhausen das Ferdinand-Porsche-Gymnasium und machte dort das Abitur. Das Studium der Luft- und Raumfahrttechnik in Stuttgart und Berlin schloss er im Alter von 27 Jahren mit  der Bestnote im Fachgebiet Raketentechnik ab, so dass ihm von Prof. H.H. Koelle die Promotion angetragen wurde. Im Alter von 30 Jahren erhielt Artur P. Schmidt den Doktortitel für ein kybernetisches Marktanalyse-Verfahren am Beispiel der Strategischen Planung von Airbus Industries. Nach einer Beratungstätigkeit bei Anderson Consulting sowie als Leiter der Strategischen Analyse der Ruhrgas AG war Dr. Schmidt Stipendiant der Stiftung zur Förderung der systemorientierten Managementlehre und letzter Schüler von Prof. Hans Ulrich, dem Begründer des St. Galler Management-Ansatzes. Während dieser Zeit begann Dr. Schmidt seine publizistische Laufbahn, aus denen Bestseller wie «Endo-Management» und «Der Wissensnavigator» sowie Wirtschaftsbücher wie «Wohlstand_fuer_alle.com» oder «Crashonomics» hervorgingen. Sein neuestes Buch, welches im EWK-Verlag (
www.ewk-verlag.de) erschienen ist, heisst  «Unter Bankstern».

Heute ist Artur P. Schmidt Herausgeber des Online-News-Portals www.wissensnavigator.com sowie der Finanz-Portale www.bankingcockpit.com, www.wallstreetcockpit.com, www.futurescockpit.com und www.optioncockpit.com sowie Geschäftsführer der Tradercockpit GmbH (www.cockpit.li). Dr. Schmidt ist ein gefragter Keynote-Speaker sowie Kolumnist für zahlreiche Finanzpublikationen. 



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  • Artur P. Schmidt: "Unter Bankstern"
    Die Banken haben den Planeten in ein riesiges globales Ponzi-Schema verwandelt. Sie werden fragen, was dies ist? Nun, es ist ein Schnellballsystem, bei dem diese immer mehr Geld von den Kunden einsammeln, Ihnen damit Produkte verkaufen, mit denen nur sie selbst verdienen, bei dem sie darauf hoffen, dass der Kunde die ihm angedrehten Produkte möglichst für immer behält und dann, falls das ganze Kartenhaus dennoch zusammenbricht, den Staat um Hilfe rufen.
  • Mit dem Cockpit-Ansatz durch die Krise navigieren
    Zug - Die Tradercockpit GmbH, Zug, hat mit ihrer Software i-matrix ein neues System zur Berechnung von Kursbewegungen entwickelt. Anstatt wie bereits etablierte Systeme auf einzelne Zahlenreihen zurückzugreifen, berechnet das von Artur P. Schmidt entwickelte System die Wechselwirkungen aus einer Vielzahl von Faktoren.
  • Artur P. Schmidt: Much Too Big To Fail
    Auch wenn Politiker ankündigen, dass sie die Finanzmärkte reformieren wollen, war bis jetzt alles, was getan wurde, nicht einmal ein Tropfen auf einen heissen Stein. Banken, die die Krise überlebt haben wie die Bank of America, JPMorgan, Goldman Sachs oder Citigroup, sind nach der Krise noch grösser als vorher und haben damit vom Zustand des "Too Big to Fail" in den Zustand des "Much Too Big to Fail" übergewechselt.
  • Artur P. Schmidt: Die Markterholungs-Illusion
    «Den heute ökonomisch verantwortlichen Handlungsträgern fehlt das Verständnis dafür, dass sich eine Ökonomie nur dann erneuern kann, wenn man eine Korrektur zulässt - anstatt diese mit allen möglichen Tricks zu verhindern. Das Ergebnis einer auf Bailouts aufgebauten Erholung ist eine Zombie-Ökonomie, d.h. eine Wirtschaft der untoten Banken, die sich wie ein Vampir das Geld des Mittelstandes einsaugen.»
  • Artur P. Schmidt: Tausche wertloses Papiergeld gegen Rohstoffe
    «Eine neue Währung bietet den USA die Möglichkeit, die alten Währungsschulden abzuwerten und damit die Gläubiger, die noch über alte Dollarbestände verfügen, zu enteignen. Damit würden sich die USA auf einen Schlag entschulden, während die Gläubigerländer Europas und Asiens die Zeche bezahlen müssten.»
  • Artur P. Schmidt: Kybernetik versus Gelddruckorgie
    «Ebenso wie das Gehirn als solches nicht lernt, sondern nur das System, welches im Gehirn entwickelt wird, verhält es sich auch an den Finanzmärkten: Die Entschlüsselung der Muster an sich ist noch nicht das Lernen eines Zentralbankers, sondern deren Interpretation im zeitlichen Verlauf sowie die ständige Anpassung an Veränderungen der Parameter ermöglichen es, die richtigen geldpolitischen Entscheidungen zu treffen.»
  • Artur P. Schmidt: Judgement Day
    «Solange die Amerikaner mehr Geld leihen als je zuvor, d.h. das Angebot an Geld dermassen stark ausgeweitet wird, müssen die Nachfrage – und damit die Preise – früher oder später massiv abstürzen. (...) Der wahnwitzige Versuch, die Wirtschaft durch noch mehr Schulden zu retten, ist nicht nur gescheitert, sondern wird die Krise möglicherweise in eine handfeste Depression überleiten.»
  • Artur P. Schmidt: Die Phantom-Ökonomie
    «Der Ground Zero eines weltweiten Derivate-Desasters dürften die US-Banken sein. Ihre Collateralized Debt Obligations (CDO) waren und sind lediglich Wetten darauf, ob Schuldner ihre Schulden zurückbezahlen können. Können sie es nicht, platzen diese Wetten und das System ist nicht mehr zu retten.»
  • Artur P. Schmidt: Hehlerrepublik Deutschland
    «Wenn der Fall Finanzplatz Schweiz zum Exempel einer ungehinderten Machtdemonstration Deutschlands genutzt werden soll, möglicherweise um die Festung Schweiz für die EU sturmreif zu bomben, so kann dies hierzulande nur als Amoklauf einer zunehmend handlungsunfähig und von drittklassigen Politikern gelenkten Bananenrepublik Deutschland wahrgenommen werden.»
  • Artur P. Schmidt: Zahlungsfähigkeits- vs. Liquiditätskrise?
    In der Ökonomie gibt es oftmals kleine, aber feine Unterschiede. Wenn man die Ursache einer Krise nicht versteht, kann man deshalb mit Symptombekämpfung nichts bewirken. Wenn der ehemalige US-Finanzminister Henry Paulson meint, dass die Weltwirtschaftskrise, die 2007 ihren Anfang nahm, nur eine Liquiditätskrise sei, dann irrt er gewaltig.
  • Fed-Dudley: Anhebung des Diskontsatzes nur eine "kleine technische Änderung"
    San Juan - Die Anhebung des Diskontsatzes ist nach Einschätzung des Präsidenten der regionalen Notenbank von New York, William Dudley, nur eine "kleine technische Änderung". "Es sei kein Signal für die Geldpolitik", sagte Dudley am Freitag auf einer Konferenz in San Juan. Die Aussage der US-Notenbank, dass der Leitzins für einen "ausgedehnten Zeitraum" auf einem "aussergewöhnlich niedrigen Niveau" bleibe, sei weiterhin voll gültig.
  • Artur P. Schmidt: Chinas überhitzte Wirtschaft
    Letztendlich handelt es sich beim aktuellen chinesischen Boom-Zyklus um einen von Investments getriebenen Boom. Die Beispiele in Japan und USA haben aufgezeigt, wie solche Zyklen enden: in einem grossen Knall. Der kommende Abschwung in China könnte sich somit als eine Monsterblase entpuppen, deren Platzen erst die eigentliche weltweite Depressionsphase einleiten wird.
  • Artur P. Schmidt: Warum Linearität versagt
    «Wenn man Chartisten zuhört bzw. ihre Analysen verstehen will, so lassen sie sich nicht nur stets alle Möglichkeiten offen, sie finden im Nachhinein auch immer die passende Begründung, warum es anders gekommen ist, als sie es vorhergesehen haben. Neben technischen Argumenten müssen dann sehr schnell auch Thesen der Verhaltens- oder Massenpsychologie als Begründung herhalten.»
  • Artur P. Schmidt: Wehe wenn der Schwarze Schwan kommt!
    «Spätestens seit dem Schwarzen Oktober 2008 dürften Banken erkannt haben, dass sie die meisten ihrer Risikoanalysen in den Papierkorb werfen können. Für die Antizipation von Krisen erweist sich die Wahrscheinlichkeits-Rechnung als wenig hilfreich, da sie eine Scheinsicherheit erzeugt, die dafür sorgt, dass viel zu hohe Risiken eingegangen werden.»
  • Artur P. Schmidt: Krisen und Kondratjew-Zyklen
    Bereits im Jahr 1926 erkannte der russische Ökonom Nikolai Kondratjew, dass die Wirtschaft in langen Wellen verläuft. Er gilt deshalb als einer der ersten Vertreter der zyklischen Konjunkturtheorie. Seine Forschungsergebnisse veröffentlichte er als "Lange Wellen in der Konjunktur".
  • Artur P. Schmidt: Der wahre Junk-Bond-Staat
    Man mag es kaum glauben, aber die amerikanischen Finanz-Revolverhelden haben sich auf den angeblichen Schulden-Junkie Europa eingeschossen. Die Dummheit und Unverfrorenheit, mit der Amerikaner die ökonomischen Realitäten verkennen, wird im grössten Knall der Wirtschaftsgeschichte enden.


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