Artur P. Schmidt: Erst Hyperdeflation, dann Hyperinflation?

Besondere Logik: Larry Summers, ehemaliger US-Finanzminister und aktuell Obama-Berater.

Von Artur P. Schmidt
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Der Hypereffekt
Die Weltwirtschaft steuert unaufhaltsam in ihre bisher grösste Depression. Alles bisherige an katastrophalen weltwirtschaftlichen Entwicklungen wird durch die unglaubliche Dimension des Leverage, der in den letzten 20 Jahren in allen Anlageklassen geschaffen wurde, heute in den Schatten gestellt. Wer glaubt, dass die Bürokraten in Washington jetzt einen besseren Job verrichten können als der Markt irrt. Bis jetzt trägt alles, was in den letzten Monaten in den USA stattfand, das Merkmal Hyper in sich: Hyperverschuldung, Hyperdeflation, Hyperpleiten, Hyperarbeitslosigkeit und später möglicherweise Hyperinflation. In den letzten beiden Jahrzehnten führten die Aktien- und Immobilienblasen in den USA zu einem Hyperreichtum bei wenigen und einer Hyperenteignung des Mittelstandes. Der Hyperrückgang der Immobilienpreise (stärker als 1929) und der Crash an den Aktienmärkten (im Oktober 2008) kehrte den scheinbaren Reichtumseffekt in eine Hyperverschuldung um. Der Hyperkonsum wurde zu einem Hyperkonsumverzicht, die Hyperkapazitäten führten zu einem Hyperkollaps des Welthandels und die zunehemende Hyperarbeitslosigkeit führt zu einem immer stärkeren Hyperabwärtsspirale.
Besondere Logik
Angeführt wird diese Entwicklung von "Hyperidioten" wie Larry H. Summers, der ehemalige US-Finanzminister im Kabinett von Bill Clinton und aktuelle Wirtschaftsberater von Barack Obama. In einem internen Papier der Weltbank, schrieb der ehemalige Chefökonom der Weltbank, "dass es ökonomisch logisch sei, Verschmutzung etwa in Form von Giftmüll in Entwicklungsländer zu exportieren, da dort die entgangenen Einnahmen durch erhöhte Krankheit und Sterblichkeit am niedrigsten seien. So gesehen seien Entwicklungsländer 'unterverschmutzt'". So lange derartige geistige Tiefflieger in den USA ökonomisch das Sagen haben, wird eine nachhaltige Gesundung der Weltwirtschaft ausbleiben. Angesichts des Ausmasses der Ausfälle an Derivaten benötigen die USA ein Stimulierungspaket in der Grössenordnung des Bruttosozialproduktes von ungefähr 14 Billionen US-Dollar. Da ein derartiger Betrag alles bisher da gewesene an Staatsverschuldung sprengt, darf prognostiziert werden, dass es durch die noch ausstehenden Abschreiber bei Prime-Krediten zu einer neuerlichen deflationären Bereinigung und einer noch grösseren Kreditklemme kommen wird. Die Frage, ob es zu einer späteren Hyperinflation kommt, hängt hierbei an der Frage wieviel Geld in den USA in den nächsten Monaten gedruckt wird und ob man diese durch einen Dollarcrash, der einem Wirtschaftskrieg gegen alle Gläubigerland gleichkommt, erzwingen will.
Gläubiger profitieren von Deflation
Bei einer Deflation wirken die entgegengesetzten Kräfte wie bei einer Inflationierung der Vermögenswerte. Schuldner werden benachteiligt, da ihre über Kredite finanzierten Sachgüter an Wert verlieren, aber sie nach wie vor den gleichen anfangs festgesetzten monetären Wert begleichen müssen. Hingegen profitieren Gläubiger von einer Deflation, da ihr Kapital zinsbereinigt einen höheren Wert hat als vor dem Ausleihen des Geldes. Die bisher stärkste Hyperdeflation gab es während der Weltwirtschaftskrise in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts. Hierbei trat das Phänomen auf, dass die Deflation sich selbst verstärkte und in eine Hyperdeflation überging. Die sinkenden Preise führten zu einer dramatischen Kaufzurückhaltung der Konsumenten, da diese mit immer weiter sinkenden Preisen rechnen mussten. Die sinkende Nachfrage führt zu einer immer geringeren Auslastung der Produktionskapazitäten und letztendlich zu einer Massenarbeitslosigkeit von bis zu 20 % und mehr, was die Nachfrage und damit die Preise immer weiter fallen lässt.
Bisherige Hyperdeflationen
Besonders problematisch sind Deflationen dann, wenn es zuvor sehr starke Spekulationsblasen gegeben hat. Nach einer Vermögens- und Kreditdeflation ist das Risiko einer Hyperdeflation am stärksten, da durch Überschuldung von Haushalten und den damit verbundenen Kreditausfällen immer mehr Banken pleite gehen oder nur noch durch staatliche Hilfen gestützt werden können. Da immer weniger neue Kredite vergeben werden sinkt die Geldmenge M3 obwohl die Federal Reserve die Geldmenge M1 durch das Quantitative Easing immer weiter erhöht. Eine Paradebeispiel für eine Hyperdeflation bezüglich ihrer Länge war Japan in den 1990er Jahren. Zwar war der Preisverfall nicht so stark wie in den 1930ern in den USA, dafür dauert dieser Prozess mittlerweile schon fast 20 Jahre an. Trotz boomender Weltwirtschaft, einer Neuverschuldung von 8 Prozent des BIP und eines damit verbundenen Anstieg des öffentlichen Schuldenberges auf 170 Prozent gelang es Japan nicht, die Deflationsspirale zu durchbrechen. Bevor die japanische Hyperimmobilienblase platze war der Kaiserpalast in Tokio wertvoller als der US-Bundesstaat Kalifornien. Durch die weltweite Finanzkrise sieht sich Japan aktuell wieder der Gefahr einer starken deflationären Abwärtsspirale ausgesetzt.