CEO-Interview Galenica | Sonntag, 27. Juni 2010 | 80586

"Auf Basis unseres ersten Budgets für 2010 gingen wir davon aus, den Nettogewinn um 20% zu steigern. Das heisst, wir werden dieses Jahr zusätzlich CHF 50 Millionen in Forschung und Entwicklung sowie in die Vermarktung von Ferinject® in Europa investieren. Unser Ziel ist es folglich, das Ergebnis des vergangenen Jahres von CHF 210 Mio. im Geschäftsjahr 2010 zu wiederholen."



Etienne Jornod, CEO Galenica

80586img
 Etienne Jornod, CEO Galenica
 

von Radovan Milanovic

Galenica berichtete für das Geschäftsjahr 2009 von einem Anstieg des konsolidierten Umsatzes um 7,7% auf 2,9 Mrd. CHF, während das Betriebsergebnis vor Abschreibungen, der EBITDA um 14,6% auf 401,1 Mio. CHF zurück ging. Sie führen diese Entwicklung auf höhere Forschungs- und Entwicklungs-, sowie Vermarktungskosten des Eisenpräparates zurück. Sind diese Ausgaben und in welchem Umfang bereits von Erfolg gekrönt?

Aufgrund der komplett unterschiedlichen Aktivitäten von Galenica, werden wir uns nur zum EBIT (+1,1%) und zum NPAT der Gruppe (+11,2%) äussern, da der Umsatz Grossistenverkäufe (EBIT 1%) mit Retail (EBIT 5%) und Pharma (EBIT >20%) umfasst. Auf dem Schweizer Markt ist Ferinect® die beste Lancierung der ganzen Pharmaindustrie im Verlauf der letzten 10 Jahre. Auf internationaler Ebene haben wir in Deutschland bereits ausgezeichnete Resultate erzielt. Wobei Deutschland der erste Markt ausserhalb der Schweiz war, wo wir Ferinject® lanciert haben. Der internationale Erfolg von Ferinject® wird sich erst in einer Zeitspanne von 2 bis 5 Jahren abzeichnen.

Ihr Betriebsergebnis, der EBIT, stieg um 1,1% auf 266,1 Mio. CHF an, wobei rund zwei Drittel dieses Ertrages in der Schweiz erzielt worden sind. Wo sehen Sie in Zukunft das grösste Wachstum für Ihre Gruppe? Was sind Ihre diesbezüglichen Aktivitäten?

Zwei Drittel ausserhalb der Schweiz. Das Potenzial liegt ganz klar im Bereich Pharma auf internationaler Ebene.

Galenica berichtete zum vierzehnten Mal von einem zweistelligen Gewinnwachstum.  Der anvisierte Reingewinn erhöhte sich um 11,2% auf 210,4 Mio. Franken. Gehen Sie davon aus, auch in diesem Geschäftjahr von einem ähnlich guten Resultat berichten zu können? 

Wir verfügen mit Ferinject® über ein Produkt, das weltweit Erfolgspotenzial hat. Es gibt sehr viele Patienten, die unter Eisenmangel leiden, aber die entsprechende Diagnose wird nicht gestellt. Allein in Europa beispielsweise werden heute nur 5% der Patienten mit Eisenmangelanämie behandelt. Anders ausgedrückt: 95% müssten behandelt werden, viele davon mit intravenös verabreichbarem Eisen.

Es sind Patienten aus den Indikationsbereichen Kardiologie, Nephrologie, Gastroenterologie, Onkologie, Chirurgie oder Gynäkologie. Unsere Aufgabe ist es, die Ärzte für die dort auftretenden Eisenmangelerscheinungen zu sensibilisieren. Zum Beispiel mit Studienresultaten und Know-how-Vermittlung an Kongressen. Das hat oberste Priorität, darauf konzentrieren sich all unsere Anstrengungen!

Wir sind derzeit alleine auf dem Markt mit einem Produkt wie Ferinject® und wir wollen die Gunst der Stunde nutzen. Es geht uns in Europa nicht darum, kurzfristiges Wachstum zu generieren, sondern die Entwicklung von Galenica nachhaltig sicherzustellen: Deshalb haben wir entschieden, den gesamten Gewinnzuwachs umgehend wieder zu investieren. Auf Basis unseres ersten Budgets für 2010 gingen wir davon aus, den Nettogewinn um 20% zu steigern. Das heisst, wir werden dieses Jahr zusätzlich CHF 50 Millionen in Forschung und Entwicklung sowie in die Vermarktung von Ferinject® in Europa investieren. Unser Ziel ist es folglich, das Ergebnis des vergangenen Jahres von CHF 210 Mio. im Geschäftsjahr 2010 zu wiederholen.

„Es geht uns in Europa nicht darum, kurzfristiges Wachstum zu generieren, sondern die Entwicklung von Galenica nachhaltig sicherzustellen: Deshalb haben wir entschieden, den gesamten Gewinnzuwachs umgehend wieder zu investieren.“ Etienne Jornod, CEO Galenica

Galenica ist in vier Geschäftsbereiche unterteilt, Pharma, Logistics, Retail und HealthCare Information. Vifor Pharma ist dabei auf verschreibungspflichtige Medikamente gegen Blutarmut, Nierenkrankheiten und Autoimmunkrankheiten spezialisiert. Im Zuge der globalen Kostensparmassnahmen im Gesundheitssektor und tendenziell steigender Absatz nach Generika dürfte der Absatz dieser Produkte stagnieren oder gar zurückgehen? Inwiefern ist Galenica vom Trend nach Generika betroffen?

Ganz allgemein stellen wir fest, dass uns der Umsatzrückgang durch Generika bis anhin weniger stark belastet hat, als angenommen. Ferinject®, unser aktuell wichtigstes Produkt, ist bis ins Jahr 2023 patentgeschützt. Aber wir sind natürlich bei anderen Produkten mit Kopien konfrontiert, so zum Beispiel bei Venofer®. Unsere Partnerschaft mit Fresenius Medical Care spielt hier eine ganz zentrale Rolle. Die Vereinbarung beinhaltet die Vermarktung und Anwendung der beiden Eisenpräparate Venofer® und Ferinject® im Dialysebereich (in Europa, im Nahen Osten, in Afrika und in Lateinamerika sowie über unseren Partner Luitpold in den USA und Kanada). Sie sichert langfristig den Absatz unserer Eisenprodukte.

Gleichzeitig investieren wir in unsere Produktpipeline. So haben wir beispielsweise Anfang Jahr eine Vereinbarung mit der deutschen Evotec AG unterzeichnet für die Entwicklung eines präklinischen Kandidaten im Bereich Anämie. Evotec ist ein führendes Unternehmen in der Erforschung und Entwicklung von neuartigen niedermolekularen Wirkstoffen. Die Entwicklung unseres Phosphatbinders PA21 ist sehr gut vorangeschritten, so dass wir bereits daran sind, Partner für die weiteren Entwicklungs- und Vermarktungsschritte zu suchen.

Mit dem Kauf von OM Pharma sind Sie direkt im Generika-Geschäft präsent. Was sind die Erwartungen in diese Firma? Welche Erfahrungen konnte Sie bereits mit OM Pharma sammeln? 

OM Pharma ist auf dem Generikamarkt nicht aktiv. Die Akquisitionen von OM Pharma und Sun Store im Jahre 2009 waren von grosser strategischer Bedeutung. Mit OM Pharma verstärken und diversifizieren wir unser Produktportfolio. Die Medikamente von OM Pharma werden zu 98% im Ausland vertrieben, und wir können Synergien nutzen, vor allem auf den europäischen und lateinamerikanischen Märkten. In der Schweiz haben wir bereits einen gemeinsamen Aussendienst für die Produkte von OM Pharma und von Vifor Pharma aufgebaut. Gleichzeitig prüfen wir, wo wir gemeinsame Partnerschaften in anderen Ländern nutzen können.

[1] 2 Fortsetzung...

• Galenica


  • Galenica publiziert vielversprechende Studiendaten
    Zürich - Galenica hat anlässlich des in Genf stattfindenden Investorentags mehrere gute Studiendaten aus dem Pharmabereich Vifor Pharma publiziert. Vielversprechende Ergebnisse habe die Phase-II-Studie für das Pipeline-Produkt PA21 - ein neuartiger Phosphatbinder auf Eisenbasis - hervorgebracht, schreibt das im Gesundheitsmarkt tätige Unternehmen.
  • Galenica mit leichter Gewinnsteigerung im Halbjahr
    Bern - Die Galenica AG hat im ersten Halbjahr 2010 den Umsatz dank Akquisitionen deutlich, den Gewinn aber nur geringfügig gesteigert. Grund für den im Vergleich zu den Vorjahren tiefen Gewinnanstieg ist die Absicht der Gesundheitsgruppe, frei werdende Mittel in klinische Studien und in die Vermarktung des Eisenpräparats Ferinject zu investieren.


Print Email

  


Und ausserdem...