Executive-Interview Basinvest AG | Montag, 17. Mai 2010 | 78754

"Rohstoffe gibt es genug auf dieser Welt, das Problem liegt viel mehr in den Kosten zu welchen diese gefördert werden um den künftigen Verbrauch zu decken. Die grossen Minen der Welt sind teilweise schon seit Jahrzehnten in Produktion und liefern abnehmende Erträge. Die CEOs von Bergbaufirmen kaufen lieber den Konkurrenten, als in neue Projekte zu investieren."



Ronald Wildmann, Mitglied Geschäftsleitung Basinvest

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 Ronald Wildmann, Mitglied Geschäftsleitung Basinvest AG
 

von Radovan Milanovic

Basinvest AG legt nicht öffentlich Rechenschaft über das Unternehmen ab. Könnten Sie unseren Lesern trotzdem einige Basisinformationen über Ihre Gesellschaft nennen?

Die Basinvest hat sich als Asset Manager ausschliesslich auf Investitionen in Rohstoffe spezialisiert. Wir investieren in Rohstoffaktien, Rohstoffutures und physisch direkt in Rohstoffe. Unsere Expertise liegt im Bereich der industriell genutzten Metalle, also beispielsweise Kupfer und Nickel, der Edelmetalle, vorab Platin und Palladium sowie aller Rohstoffe, welche in der Stahlindustrie Verwendung finden, zunächst Eisenerz und Kohle aber auch Rohstoffe und Legierungsmetalle wie Mangan, Ferrochrom oder Molybdän und Kobalt. Wir beziehen unsere Expertise von unserem Beratungsstab, das Know How umfasst den Stahlschrottbereich, den Bereich der Primärmetalle, der Edelmetalle und der Edelstahlindustrie. Das Portfoliomanagement befindet sich in Händen von ausgewiesenen Finanzanalysten.

Basinvest AG ist ein unabhängiger Vermögensverwalter. Auf welchem Weg bieten Sie Ihre Produkte an?    

Unsere Anlagefonds sind alles Publikumsfonds nach liechtensteinischem Recht mit Vertriebszulassung in Liechtenstein und für den Basic Star auch in der Schweiz. Für zwei der drei Fonds haben wir zudem die volle steuerliche Transparenz in Deutschland. Wir bieten alle Fonds in Schweizer Franken an und hedgen die Fremdwährungen, für den Physical Commodity Fund bieten wir zusätzlich noch eine US Dollartranche an, welche ungehedgt ist. Alle drei Produkte verfügen über tägliche Liquidität. Zu unseren Investoren zählen voran vermögende Privatinvestoren, Family Offices und unabhängige Vermögensverwalter mit ihren Kunden. Die Investorenbasis befindet sich heute grösstenteils in Zürich, Basel, Liechtenstein und München. Wir managen und vermarkten unsere Produkte selber, Fundsleitung und Depotbank befinden sich in Vaduz.  

Kupfer, als Frühindikator der Wirtschaftsentwicklung machte seinem Ruf alle Ehre, denn bereits Anfang 2009, also lange bevor die Rezession ihren Tiefpunkt erreichte, stieg der Preis der klassischen Industriemetalls, zusammen mit Kupfer Nickel, Zink, Aluminium, Blei, Platin und Palladium bereits wieder an. Da die Rezession Geschichte sein dürfte, sollten die Preise dieser Produkte aufgrund steigender Nachfrage weiter anziehen. Sehen Sie dabei keine Bubble-Entwicklung?   

Dadurch, dass heute vermehrt Finanzinvestoren Rohstoffe kaufen und verkaufen, erhöht sich die hohe Volatilität weiter, es kommt zu Kursübertreibungen nach oben wie aber auch nach unten. Aluminium ist sicher nicht knapp, aber durch den Einfluss von Finanzinvestoren wird dieses Produkt künstlich verengt. Die Gefahr besteht, dass bei steigenden Zinsen oder Verknappung der Kredite, Bestände plötzlich auf den Markt kommen und ein Überangebot auslösen. In China wird dieser Effekt verstärkt durch die übergrosse Liquidität und die fehlenden Anlagealternativen.

Sie setzen Ihr Augenmerk sehr stark auf Kupfer. Können Sie uns die Gründe dafür nennen?

Der ständig steigende Bedarf nach Kupfer vorab von China kann in den kommenden Jahren - wenn überhaupt - nur mit grosser Mühe gedeckt werden. Die grossen, in sicheren Gegenden wie Nordamerika oder Chile und Mexiko liegenden Minen liefern immer weniger Erträge. Neue Projekte sind teuer, benötigen Zeit und sind beispielsweise im nördlichen Teil von Chile wegen der Knappheit an Wasser schwierig zu realisieren. Die Projekte der Zukunft befinden sich heute in der Mongolei und im Kongo. Können die neuen Kupferminen im Kongo nicht realisiert werden, kommt es im Kupfermarkt zu einer Verknappung und die Preise steigen weiter.

Bei welchen Metallen, abgesehen vom Kupfer, sehen Sie die künftig die grössten Volatilitäten und erfolgreichsten Investitionsmöglichkeiten?  

Wir sind sehr zuversichtlich für Ferrochrom, welches primär in der Edelstahlindustrie Verwendung findet. Auf der Angebotsseite kann die Produktion nicht weiter ausgeweitet werden, in Südafrika besteht eklatanter Strommangel und in Kasachstan kommen in nächster Zeit keine neuen Kapazitäten auf den Markt. Demgegenüber schreitet die Erholung im Edelstahlmarkt weiter voran. Während die Edelstahlindustrie in China auf vollen Touren läuft, werden die völlig entleerten Lager in Europa und Nordamerika wieder gefüllt. Wir erwarten eine Verknappung der Preise im Ferrochrom und einen weiteren Anstieg der Preise.

Führt Ihre starke Konzentration auf Kupfer nicht zu einem Klumpenrisiko Ihrer Direktanlagen?

Wir sind gut diversifiziert, neben Ferrochrom, Kupfer aber auch Palladium und Platin setzen wir beispielsweise auch auf Eisenerz. Die steigende Stahlproduktion in China verbraucht Unmengen an Eisenerz, wir schätzen den Bedarf dieses Jahr auf 950 Mio. Tonnen. Da die Produzenten in Australien und Brasilien ihre Produktion erst in zwei oder drei Jahren deutlich erhöhen, die chinesische Eigenproduktion unwirtschaftlich ist und Indien immer weniger nach China zu liefern gewillt ist, wird Eisenerz knapp bleiben.

„Die grossen Minen der Welt sind teilweise schon seit Jahrzehnten in Produktion und liefern abnehmende Erträge. Die CEOs heute tätiger Bergbaufirmen kaufen lieber den Konkurrenten als in neue Projekte zu investieren.“ Roland Wildmann, Mitglied Geschäftsleitung Basinvest AG

Die Chinesen sichern sich die zukünftige Lieferung von Bodenschätzen, indem sie in rohstoffreichen Ländern Afrikas grosse Investitionen tätigen, die sie sich in Rohstoffen zahlen lassen. Wie beurteilen Sie diese Situation? Wird das rohstoffreiche Afrika als Produzent für die restliche Welt wegfallen?

Im Gegensatz zu den im Westen kotierten Unternehmen können chinesische Konzerne ohne moralische und ethische Barrieren in Afrika Geschäfte tätigen, sehr oft zum Leidwesen der Arbeitsbedingungen und dem Umweltschutz. Aber auch für China ist das Geschäftsumfeld in Afrika hart, und die Bemühungen auf diesem Kontinent werden nicht ausreichen, um den Rohstoffhunger zu stillen. Es kann durchaus sein, dass westliche Unternehmen beispielsweise im Kongo von chinesischen Firmen verdrängt werden, ob damit aber schlussendlich mehr Rohstoffe gefördert werden ist fraglich.

Die physische Verfügbarkeit von Industriemetallen ist in Krisenzeiten ein wichtiges Thema. Die meisten Edelmetall-Fonds investieren die Gelder der Fondssparer in verbrieftes Edelmetall. Sind die Edelmetallbestände jedoch verbrieft, ist ein Umtausch in die Basiswerte kaum möglich und wird in den meisten Fällen ausgeschlossen. Sehen Ihre Fonds die Möglichkeit eines Tauschs in den Basiswert vor?

Beim BI Physical Commodity Fund kann der Fonds, nicht aber der Anteilhaber des Fonds, jederzeit den Rohstoff physisch beziehen. Der physische Bezug von an der LME gelagerten Industriemetalle ist tatsächlich ein tägliches Geschäft und innert zwei Tagen durchführbar, natürlich tun wir dass aber nicht sondern belassen die Metalle im Kreislauf der LME.  Dadurch, dass beispielsweise  Kupfer und Aluminium in Lots von je 25 Tonnen gehandelt werden, ist physischer Erwerb im Gegensatz beispielsweise bei Gold aber durch den Anteilhaber des Fonds schlicht nicht möglich.

[1] 2 Fortsetzung...

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