CEO-Interview Swissolar | Mittwoch, 5. Mai 2010 | 77573

"Die grossen Stromkonzerne setzen leider weiterhin primär auf Grosskraftwerke – zum Glück vermehrt auch auf Windparks. Die dezentrale Produktion von Solarstrom widerspricht der Denkweise dieser Konzerne, und erfordert zugegebenermassen auch Investitionen in die Netzsteuerung, Stichwort smart grids."



David Stickelberger, Geschäftsleiter Swissolar

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 David Stickelberger, Geschäftsleiter Swissolar.
 

Führt die Sparpolitik des Bundes nicht zu einer Konzentration auf die Grossen der Branchen, bei der die innovativen und kleinen auf der Strecke bleiben?

Der Bund unterstützt Solarfirmen in der Regel nicht, deshalb gibt es auch keine Bevorzugung der Grossen. Allerdings ist die KEV so ausgelegt, dass Grossanlagen bei knappen Mitteln zuerst berücksichtig werden. Das führt zu einer Benachteiligung von Kleinanlagen auf Wohn- und Landwirtschaftsgebäuden. Eine ungedeckelte KEV wäre die sinnvollste Massnahme dagegen.

Eine Möglichkeit zur Förderung erneuerbaren Energie wäre auch die Einführung von verpflichtenden Produktionsquoten durch den Gesetzgeber in der Schweiz. Sehen Sie Bewegung in dieser Richtung?

Das Energiegesetz sieht diese Möglichkeit ab 2015 vor, und dies wäre eine sinnvolle Ergänzung der KEV, welche die Energieversorger stärker in die Pflicht nimmt. Diese könnten sich auf Grossanlagen konzentrieren, womit mehr KEV-Mittel für Kleinanlagen verfügbar wären.

Wie steht die Schweiz im internationalen Vergleich der drei Technologien der Solarenergien, wie der Photovoltaik, also der Erzeugung von elektrischem Strom aus Sonnenenergie, den Solarkollektoren und den solarthermischen Kraftwerken?

Photovoltaik: Eine starke Industrie und ein schwacher Heimmarkt. Sonnenkollektoren: Ein relativ starker Heimmarkt, konkret 2% des europäischen Markts, mit soliden mittelständischen Unternehmen, die den grössten Teil des Markts abdecken. Solarthermische Kraftwerke: Kein Markt in der Schweiz, aber einige innovative einheimische Zulieferer

Die jährlichen Wachstumsraten des Photovoltaik-Marktes bis 2012 liegen zwischen 45% und 50%. Überdurchschnittliches Wachstum versprechen die aussereuropäischen Märkte: China mit über 130% sowie Indien und die USA mit je 100% pro Jahr. Wie sind Schweizerischen Produzenten in diesen verheissungsvollen Märkten positioniert? 

Der grösste Schweizer Solarkonzern Meyer Burger / Swiss Solar Systems deckt die gesamte Photovoltaik-Wertschöpfungskette ab und ist damit hervorragend positioniert – gerade auch im asiatischen Markt. Auch Oerlikon Solar ist dort gut aufgestellt. Weitere Firmen decken wichtige Teilbereiche der Zulieferindustrie ab und gehören in ihren Bereichen zu den Marktführern.

„Die Massenproduktion von Modulen ist nicht die Stärke der Schweiz. Unsere Firmen liefern jedoch wichtige Komponenten, die es für diese Produktion braucht.“

Bei höherem Absatzpotential im Ausland locken auch tiefere Produktionskosten und Konjunkturförderungsprogramme außerhalb der Schweiz. Sehen Sie ein Abwandern der Produktion ins Ausland, insbesondere nach Asien?

Die Massenproduktion von Modulen ist nicht die Stärke der Schweiz. Unsere Firmen liefern jedoch wichtige Komponenten, die es für diese Produktion braucht. Der hohe Ausbildungsstand der Mitarbeiter und die Nähe zu wichtigen Forschungsstätten sind Vorteile, die klar für den Produktionsstandort Schweiz sprechen. Ein Negativpunkt ist allerdings der schwache Heimmarkt – hier braucht es klare Signale der Politik, damit die nächsten Expansionsschritte der Solarfirmen hier stattfinden.

Wohin geht die Forschung in der Photovoltaik-Industrie? Mit was für neuen Produkten können wir in Zukunft rechnen?  

Geforscht wird in ganz unterschiedlichen Richtungen, z.B. Verbesserung der Wirkungsgrade sowohl bei konventionellen kristallinen Siliziumzellen als auch bei Dünnschichtzellen, Verwendung neuer Materialien wie organische Zellen, geringerer Materialeinsatz, vereinfachte Produktionsprozesse. Dadurch werden die Kosten von Solarstrom jährlich um 10% oder mehr sinken.

Ein wichtiger Trend ist sicher der stärkere Einsatz von gebäudeintegrierten Systemen: Solarmodule der Zukunft werden oft multifunktionale Fassaden- und Dachelemente sein, die nicht nur Strom produzieren, sondern auch den Witterungsschutz übernehmen. Das spart Geld und sieht erst noch gut aus.


Der Gesprächspartner:
David Stickelberger schloss seine Studien 1986 an der Universität Zürich mit dem Geographie-Diplom ab. 1987-1992 arbeitete er in einem Planungs- und Beratungsbüro für Umweltfragen, begleitend zu seinem Nachdiplomstudiengang für Unweltlehre ebenfalls an der Universität in Zürich. Nach der Leitung der Kampagne Klima und Energie von 1993-1998 bei Greenpeace Schweiz, wurde er Co-Geschäftsführer der Agentur für erneuerbare Engergien und Energieeffizient (AEE). Dieses Amt versah er von 1998-2007. Seit 1998 ist er Geschäftsleiter Swissolar, dem schweizerischen Fachverband für Sonnenenergie (früher: Arbeitsgemeinschaft für Solarenergie).

Das Unternehmen:
Am 15. November 2005 haben die beiden Verbände SOLAR (Schweizerischer Fachverband für Sonnenenergie) und Swissolar (Arbeitsgemeinschaft für Solarenergie) beschlossen, ihre Aktivitäten per 1.1.2006 zusammenzulegen. Der Fachverband SOLAR wurde am 25. Oktober 2002 in Bern gegründet und war ab dem 1. Januar 2003 operativ. Er setzte sich mit seinen Mitgliedern und Partnerorganisationen für ein nachhaltiges Wachstum der Sonnenenergiebranche ein. Der Sitz mit dem Sekretariat befand sich in Bern.

Hervorgegangen ist der Fachverband SOLAR aus dem deutschsprachigen SOFAS (Sonnenenergie Fachverband der Schweiz, gegründet 1978) und dem französischsprachigen PROMES (Association des professionnels Romands de l’énergie solaire, gegründet 1986). Die Arbeitsgemeinschaft Swissolar wurde 1994 als Dachorganisation im Bereich Solarenergie gegründet. Sie umfasste verschiedene Verbände aus den Bereichen Haustechnik, Energiewirtschaft und Solarenergie und wurde 1999 selbst zu einem Verein umgewandelt.

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