Softpro | Freitag, 8. Januar 2010 | 72574

"Die deutsche Sparkassen–Organisation hat ausgerechnet, dass in den deutschen Sparkassen durch papierlose Prozesse jährlich ein Papiervolumen eingespart werden kann, das dem Leergewicht von rund vier Airbus 380 entspricht - also rund 10'000 Tonnen. Das ist unsere Herausforderung: Dieses Einsparungspotential tatsächlich zu realisieren."



Heinz Reschke, Gründer und CEO von Softpro

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 Heinz Reschke, Gründer und CEO von Softpro
 

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Sie haben Softpro 1983 gegründet und seither die technologische Entwicklung mitgemacht und mitgeprägt. Welches sind die nächsten technologischen Meilensteine im Umgang mit Unterschriften?

Die Palette von Geräten, die zur Erfassung von Unterschriften geeignet sind oder sein könnten wird immer breiter. Schon heute ist es eine anspruchsvolle Aufgabe hier die Spreu vom Weizen zu trennen. Wer seine Prozesse zu einem hohen Maß automatisieren will, wird sich irgendwann die Frage stellen, wie er Unterschriften nicht nur digitalisieren sondern auch automatisch vergleichen kann. Erst bei einer automatischen Prüfung fällt manchem Anwender auf, dass er sich für ein minderwertiges Aufnahmeverfahren entschieden hat. Neben mangelnder Datenqualität kann der Datensatz der digitalisierten Unterschrift womöglich noch Störsignale enthalten. Diese entstehen beispielsweise, wenn der Handballen beim Unterschreiben im Unterschriftenfeld aufgelegt wurde.

"Softpro konnte 2009 davon profitieren, dass uns im Jahr zuvor der Durchbruch für eine breite Akzeptanz des elektronischen Unterschreibens bei Banken, Versicherungen und am Point of Sales gelang und dadurch das Thema 2009 immer weiter in den Focus rückte."

Das Angebot geeigneter Geräte zur Digitalisierung der Unterschrift ist heute schon enorm breit und reicht von Einstiegsgeräten ohne Display, die auch gern als Pen Pads bezeichnet werden, über Schreibtablett mit LC Displays in unterschiedlichen Größen, interaktiven Stiftdisplays mit 15 und 19 Zoll Bildschirmdiagonale bis hin zu Tablet PCs unterschiedlicher Bauart. Wir möchten in enger Zusammenarbeit mit den maßgeblichen Herstellern dafür sorgen, dass die Aufforderung "Bitte unterschreiben Sie hier" immer öfter kein Papier mehr erfordert - ohne dass dabei Kompromisse in der Qualität einzugehen sind. Gleichzeitig arbeiten wir kontinuierlich weiter daran die Methoden der automatischen Prüfung zu verfeinern und noch treffsicherer zu machen.

Sie haben sich in den 27 Jahren seit der Gründung ganz dem Thema "Signatur" verschrieben. Welche Qualitäten braucht ein Unternehmer, um dauerhaft Erfolg zu haben in einem Bereich, der ständigen technologischen Erneuerungen unterworfen ist?

Wir setzen auf das Konzept von Stakeholder Value statt Shareholder Value, das Motto heißt "Miteinander". Unser Ziel ist es Kunden, Partner und Mitarbeiter nachhaltig zufrieden zu stellen und gemeinsam erfolgreich zu sein. Dazu müssen wir jeden Tag ein bisschen besser werden, die Japaner nennen sowas Kaizen. Dies bedarf einer offenen, ehrlichen Kommunikationskultur. Das darf natürlich nicht nur in einer Unternehmensleitlinie stehen, sondern muss vom Chef täglich vorgelebt werden. Im Schnitt sind die Mitarbeiter von Softpro derzeit bereits knapp zehn Jahre beim Unternehmen. In der wechselfreudigen IT-Branche ist das eine Seltenheit. Gerade für uns als Spezialist in einer Nische, die enorm viel spezifisches Wissen erfordert, ist es außerordentlich wichtig, dass wir hochqualifizierte Mitarbeiter binden können, die sich deutlich über das normale Maß hinaus engagieren.

Der Finanzsektor und die gesamte Marktwirtschaft haben ein sehr schwieriges Jahr hinter sich. Wie hat sich die Krise auf Ihr Unternehmen ausgewirkt und welche Ziele haben Sie für das kommende Jahr? 

2009 war in der Tat für viele unserer Kunden und auch solche die es werden wollen kein leichtes Jahr. Es liegt letztlich an unseren Kunden daran zu urteilen, ob wir unserem Ziel gerecht wurden ihnen als zuverlässiger, vertrauenswürdiger Partner auch in schwierigeren Seiten zu Seite zu stehen und nachhaltige Impulse zur Senkung ihrer Kosten und Beschleunigung ihrer Prozesse zu liefern. Softpro konnte 2009 davon profitieren, dass uns im Jahr zuvor der Durchbruch für eine breite Akzeptanz des elektronischen Unterschreibens bei Banken, Versicherungen und am Point of Sales gelang und dadurch das Thema 2009 immer weiter in den Focus rückte. Die enorme Geschwindigkeit mit der beispielsweise seit Anfang 2009 die Spanischen Sparkassen auf das Elektronische Unterschreiben setzen war für uns zu Jahresende 2008 noch nicht absehbar. Vereinfacht gesagt: Wir sehen in zahlreichen Branchen hier Dominoeffekte und es ist nur eine Frage der Zeit wann sich weitere Banken aber auch Versicherungen in der Schweiz diesem Thema in der Breite widmen. Auf dem Finance Forum im November 2009 stieß das Thema jedenfalls auf großes Interesse und wir freuen uns sehr die Schweizer Finanzwirtschaft dabei unterstützen zu können papierloses Unterschreiben umzusetzen.

Zum Schluss des Interviews haben Sie zwei Wünsche frei. Wie sehen diese aus?

Bei einem meiner zahlreichen Besuche in der Schweiz habe ich gelernt, dass es primär zwei Dinge gibt, die es sich zu wünschen lohnt: Gesundheit und Glück und zwar nicht nur für mich sondern für unser gesamtes Team mit seinen Familien, unsere Kunden und unsere Geschäftspartner. Mit ein wenig Fleiß kann dann jeder individuell in manch anderes Wünschenswerte investieren.


Der Gesprächsparter:
Heinz Reschke ist seit Anfang 2008 wieder CEO der SOFTPRO Gruppe. Ende 1983 legt Reschke mit Gründung der SOFTPRO GmbH in Böblingen den Grundstein der heutigen SOFTPRO Gruppe. Unter seiner Führung wächst das Unternehmen in den folgenden 17 Jahren zu beachtlicher Größe und wird zum weltweit größten Anbieter für Systeme zur Digitalisierung von Unterschriften und deren automatischen Vergleich. Für einige Zeit wechselt Reschke in den Aufsichtsrat der Firma. Aufgrund der vielzähligen Kontakte, die Reschke in dieser Zeit knüpfte, wurde er immer häufiger gefragt, ob es ihn nicht reize noch mal aktiv das Tagesgeschäft zu steuern. 2008 schlüpfte er schließlich noch mal in die Kapitänsrolle. Seine Erfahrung und seine Kreativität sind gefragter denn je.

Reschke startete mit einer fundierten Ausbildung in der Betriebswirtschaft und der Informatik ins Berufsleben. Erste Stationen sind SEL (heute Teil des Alcatel-Lucent-Konzerns) und IBM wo er an der Entwicklung kommerzieller Anwendungen mitwirkt. Die SOFTPRO GmbH machte sich ab 1983 zunächst mit der Entwicklung von Anwendungen für Firmen in der Umgebung einen Namen. Der Kontakt zur Schweizer Firma APP Informatik aus Davos führte zu einer sukzessiven Fokussierung auf die Prüfung von Unterschriften, insbesondere bei Kreditinstituten. Zwischen 1998 und 2001 beteiligen sich namhafte Finanzinvestoren, die den Erwerb wichtiger Technologien und Anwendungen ermöglichen. Reschke gründete die heute nach wie vor sehr aktiven Tochtergesellschaften in Singapur, den Vereinigten Staaten und Großbritannien.

Das Unternehmen:
Die SOFTPRO Gruppe sitzt mit ihrer Muttergesellschaft - der SOFTPRO GmbH - in Deutschland. Tochtergesellschaften befinden sich in USA, Großbritannien und Singapur. Die Gruppe beschäftigt derzeit über sechzig Mitarbeiter. Als weltweit führender Anbieter von Systemen zur Aufnahme und Prüfung eigenhändiger Unterschriften unterstützt SOFTPRO über 200 Unternehmen in ihrem Workflow von Dokumenten und Transaktionen.

SOFTPRO vermarktet "eSign Workflow"-Lösungen zur Sicherung der Authentizität und Integrität elektronischer Dokumente und Transaktionen. Erfasst und ausgewertet werden dafür sowohl statische als auch dynamische (biometrische) Merkmale von Unterschriften. SOFTPRO sichert elektronische Dokumente mit eigenhändiger Unterschrift in vielen Branchen u. a. Banken und Versicherungen, Telekommunikation, Handel, Industrie, Gesundheitswesen und der öffentlichen Hand

Der Bereich "Fraud Prevention Solutions" bietet Lösungen zur Erkennung von gefälschten Belegen (Schecks und Überweisungen) und der Betrugsvorbeugung im Zahlungsverkehr von Kreditinstituten. Ergänzend zur automatischen Prüfung von Unterschriften werden hier in einer ganzheitlichen Risikobetrachtung ("Combined Risk Score") weitere Prüfverfahren eingebunden. Zu den Kunden von SOFTPRO zählen u. a. American Express, Bank of America, Barclays, CECA, Chase, Citigroup, Discover Financial, Fifth Third, HypoVereinsbank, SEB, Sunrise, Standard Bank of South Africa, UBS und Wachovia.

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