Heinz Reschke, Gründer und CEO von Softpro

Heinz Reschke, Gründer und CEO von Softpro

Von Helmuth Fuchs
Moneycab: Herr Reschke, zurzeit erlebt die Authentifizierung mit der eigenhändigen Unterschrift eine Renaissance. Wie erklären Sie sich den aktuellen Aufschwung der elektronischen Unterschrift?
Heinz Reschke: Den Wunsch Unterschriften in einen digitalen Workflow einzubetten, begleitet mich und mein Unternehmen Softpro ja schon recht lang. Viele Jahre galt die eigenhändige Unterschrift für den digitalen Workflow eher als lästiges Hindernis, weil oft nur noch zwecks ihrer Erfassung Papier ausgedruckt wird. Man hat es dann viele Jahre - ziemlich erfolglos - damit versucht die Unterschrift zu ersetzen oder wegfallen zu lassen.
Im Gegensatz zu anderen Verfahren ist das Unterschreiben per Hand ein gewohnter Vorgang und selbsterklärend. Mittlerweile weiß man: es ist oft besser die Unterschrift nicht zu ersetzen sondern lediglich für ihre vertrauenswürdige Digitalisierung - einschließlich ihrer biometrischen Merkmale - zu sorgen.
"Die Entgegennahme der Unterschrift ist eben auch ein Akt der Wertschätzung des Kunden. Viele Kunden werden sich wohl an den Slogan-Klassiker von American Express aus den 80ern erinnern: "Bezahlen Sie einfach mit Ihrem guten Namen". Da spielt also viel mehr hinein als die technische Betrachtung." Heinz Reschke, Gründer und CEO von Softpro
Können Sie das anhand von Beispielen konkretisieren?
Als in Deutschland das Signaturgesetz 1997 in seiner ersten Version verabschiedet wurde, war die Kernidee, dass alsbald digitale Signaturen mittels Chipkarten und Geheimzahlen die eigenhändige Unterschrift ablösen sollten. Eine Idee wie sie auch in der Schweiz in vergleichbarer Weise propagiert wurde. Seit einigen Jahren können in Deutschland beispielsweise auf viele Karten mit dem Maestro-Zeichen digitale Zertifikate zur Erzeugung solcher Signaturen geladen werden. Dieser Service ist jedoch kaum nachgefragt. In Zukunft soll auch der elektronische Personalausweis solche Zertifikate aufnehmen können. Ob und wann solche Signaturen im deutschsprachigen Raum von der breiten Bevölkerung genutzt werden, lässt sich Ende 2009 immer noch nicht seriös prognostizieren.
Der Deutsche Sparkassen- und Giroverband empfiehlt heute seinen Mitgliedern bewußt auf die elektronische Unterschrift zu setzen, da sie dem Kunden ein bewusstes Kauferlebnis verschafft. Neben des besseren Nachweises eines Vorgangs für die Revision streicht der DSGV auch Marketing- und Vertriebsaspekte heraus: Die Entgegennahme der Unterschrift ist eben auch ein Akt der Wertschätzung des Kunden. Viele Kunden werden sich wohl an den Slogan-Klassiker von American Express aus den 80ern erinnern: "Bezahlen Sie einfach mit Ihrem guten Namen". Da spielt also viel mehr hinein als die technische Betrachtung.
Bei Kredit- und Finanzinstituten ist die Anwendung offensichtlich. Gibt es noch andere Bereiche, die heute schon elektronische Unterschriften weitläufig einsetzen?
Nachdem die Kreditinstitute immer mehr den Kontakt zu ihren Kunden betonen und im Wettbewerb zu den Direktbanken die Kundengespräche schon regelrecht inszenieren, stellen wir fest, dass die eigenhändige Unterschrift auf breiter Front in immer mehr digitale Arbeitsabläufe eingebunden wird: Spezielle Tabletts zur Erfassung von Unterschriften, so genannte Signpads, sind heute an vielen Orten im Einsatz.
Elektronisches Unterschreiben ist ein Thema dass längst nicht mehr nur Kreditinstitute und Versicherungen betrifft: Wer in der Schweiz einen Vertrag für Telekommunikations-Dienstleistungen am Point of Sales unterschreibt, tut dies in den Shops von Sunrise oder beim Broker Mobile Zone heute auf Signpads. Auch die Unterschriftenaufnahme für die Erstellung von Identitätsdokumenten wie Personalausweis oder Reisepass wird zunehmend auf diesen Geräten vorgenommen. Zum Einsatz kommt dabei eine Software bei der vorwiegend PDF-Dokumente biometrisch unterschrieben und gleichzeitig elektronisch signiert werden. Auf internationaler Ebene können wir Anwendungsbeispiele im Handel unterschiedlichster Güter, in Arztpraxen und Krankenhäusern oder in der industriellen Produktion vorweisen.
Andere Formen der Authentifizierung durch biometrische Merkmale sind ebenfalls möglich - wie der Vergleich von Fingerbild, der Iris oder des gesamten Gesichts. Wo liegen die Vorteile beim Einsatz von Unterschriften gegenüber diesen Verfahren?
Unterschriften sind ein eindeutiger Beweis einer aktiven Willenserklärung. Unter den biometrischen Merkmalen sind sie den verhaltenstypischen Merkmalen zuzuordnen. Da gibt es beispielsweise auch noch die Möglichkeit Anwender am Rhythmus des Tippens auf einer Tastatur zu erkennen oder an den Lippenbewegungen beim Sprechen. Anwendungen, die auf diesen Merkmalen basieren haben allerdings bisher kaum eine kommerzielle Relevanz. Das sieht mit Anwendungen, die auf der Erkennung von Körpermerkmalen wie dem Fingerbild, der Iris oder dem Gesicht als ganzes basieren schon ganz anders aus. Da gibt es auch in der Schweiz zahlreiche aktive Anwendungen, beispielsweise in der Zutrittskontrolle. So ist sind einfachere Fingerbildsensoren auch schon in viele Notebooks eingebaut und ersetzen so die Passworteingabe. Bei der Erkennung von Körpermerkmalen ist es aber auch möglich jemand gegen seinen Willen zu authentifizieren, beispielsweise durch das Bild des Gesichtes in Reisedokumenten.
"Die sofortige Digitalisierung der eigenhändigen Unterschrift spart nach Berechnungen unterschiedlicher Anwender je nach Prozesskette im Schnitt zwischen zwei und drei Franken pro Dokument, manchmal sogar noch deutlich mehr."
Das Unterschreiben wird nach wie vor als persönlichste Form der Authentifizierung empfunden und hat sich auch in einer elektronischen Form als selbsterklärend bewiesen. Was wenig bekannt ist: Unterschriften bieten biometrische Merkmale wie die individuell typischen Druckstufen oder Wechsel in der Schreibgeschwindigkeit. Man muss also nicht nach einer Alternative zur Unterschrift für die Authentifizierung suchen sondern lediglich nach einer vertrauenswürdigen Digitalisierung und deren verlässlichen Einbindung in den digitalen Workflow.
Die Spanische Konföderation der Sparkassen hat das Projekt für die Elektronische Unterschrift ("Firma Digitalizada") als innovativstes Projekt innerhalb des Verbandes ausgezeichnet und der europäische IT-Sicherheitsverband TeleTrusT hat es mit seinem Innovationspreis 2009 versehen. Was war die Rolle von Softpro und welches waren die innovativen Aspekte des Projektes?
Die spanischen Sparkassen entschlossen sich 2008 unter dem Titel "Firma Digitalizada" für eine groß angelegte Initiative zur Digitalisierung der eigenhändigen Unterschrift in den Geschäftsstellen. Innerhalb kurzer Zeit wurden über 10.000 Tabletts zur Unterschriftenerfassung an den Schaltern installiert. Im Oktober 2009 erhielten die Spanier für ihr Projekt "Firma Digitalizada" den Innovationspreis des europäischen IT-Sicherheitsverbandes TeleTrusT.
Ausgezeichnet wurde damit die erfolgreiche Umsetzung der elektronischen Signatur mit eigenhändiger Unterschrift. Genauer gesagt handelt es sich um eine Verbindung digitalisierter Unterschriften mit digitalen Signaturen. Dabei werden die biometrischen Daten der eigenhändigen Unterschrift mit kryptographischen Verfahren kombiniert. CECA hat für "Firma Digitalizada" unser SignPad eSignio und unser Software Development Kit SignWare in den Dokumenten-Workflow integriert. Da sich das nicht in zwei, drei Sätzen erschöpfend erklären lässt, haben wir auf unserer Website einen ausführlichen Bericht zu dieser Anwendung online gestellt.
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