Thomas Brunner, Managing Director SWITCH

Thomas Brunner, Managing Director SWITCH

von Radovan Milanovic
Im Handelsregister ist SWITCH als Stiftung mit folgendem Stiftungszweck eingetragen: Die Stiftung bezweckt, die nötigen Grundlagen für den wirksamen Gebrauch moderner Methoden der Teleinformatik im Dienste der Lehre und Forschung in der Schweiz zu schaffen, zu fördern, anzubieten, sich an solchen zu beteiligen und sie zu erhalten. – Für eine nationale Domain-Registrierungsstelle ist diese Gesellschaftsart einmalig, denn die ausländischen Registrierungsstellen sind alle gewinnorientiert. Wieso wurde diese Rechtsform gewählt?
Die Stiftung SWITCH wurde im Jahr 1987 als Schweizerisches Wissenschaftsnetzwerk - The Swiss Research & Education Network - gegründet. Das Internet und die Domain-Namen haben ihren Ursprung an den Hochschulen. Die ersten Domain-Namen in der Schweiz waren denn auch eth.ch, cern.ch und switch.ch. Nationale Registrierungsstellen sind typischerweise nicht gewinnorientiert, das ist auch im benachbarten Ausland so. Die deutsche Registrierungsstelle zum Beispiel ist eine nicht gewinnorientierte Genossenschaft.
Müssen die Universitäten für die Leistungen von SWITCH bezahlen oder müssen Sie diese als Kompensation für die Monopolstellung leisten?
Die Hochschulen bezahlen die Betriebskosten für die Dienstleistungen, die SWITCH für sie erbringt. Die Entwicklung neuer innovativer Dienstleistungen für Lehre und Forschung in der Schweiz wird über Subventionen vom Bund oder von der EU finanziert. Die Registrierung von Domain-Namen ist eine staatlich hoheitliche Aufgabe, die das BAKOM an SWITCH delegiert. 34 Stiftungsräte tragen die Verantwortung über die Stiftung. Im Stiftungsrat vertreten sind die Stakeholder von SWITCH, darunter sind die Schweizerischen Hochschulen, Kantone und der Bund.
Trotz steigender Anzahl Registrierungen und ebenfalls steigender passiver Einnahmen als Folge der Erneuerung von Domainnamen weisen Sie einen Gesamtverlust von 3,6 Mio. CHF aus. Darin ist ein Finanzverlust von 2,8 Mio. CHF aufgrund der schwachen Finanzmärkte enthalten. Von welchen Erfolgszahlen gehen Sie in diesem Jahr aus?
Die Erträge aus der Registrierungstätigkeit machen einen signifikanten Anteil der Einnahmen aus. Der SWITCH zustehende Gewinn aus diesen Erträgen ist vertraglich mit dem Bakom geregelt. Die Preise für die Domain-Namen sind vom Bakom verfügt. Dabei wird dem erwarteten Wachstum so Rechnung getragen, dass Aufwand und vertraglicher Gewinn mit den Einnahmen gedeckt sind.
Die finanzielle Strategie von SWITCH zielt auf eine hohe Eigenkapitalbasis ab, die es ermöglicht, kurzfristig und schnell auf neue Bedürfnisse der Schweizer Hochschulen zu reagieren und diese zu befriedigen. Die nachhaltige Kapitalstruktur ist deshalb eine solide Grundlage für die langfristige Sicherstellung der angebotenen Dienstleistungen und die anhaltende Werterbringung gegenüber den Hochschulen. Aufgrund der unerfreulichen Finanzmarktentwicklungen musste SWITCH letztes Jahr einen Nettobuchverlust von 2.8 Mio. hinnehmen. Langfristig erwartet SWITCH hingegen eine positive Entwicklung.
Per 15. Juli hat SWITCH das vom Bakom konzessionierte Geschäft klarer von den Dienstleistungen für Hochschulen getrennt. Für den Aussenstehenden ändert sich nur die URL von www.switch.ch auf www.nic.ch. Wie zeigt sich die Abgrenzung in der Realität?
NIC steht für "Network Information Centre". Diese Bezeichnung hat sich weltweit für Registrierungsstellen durchgesetzt. www.nic.ch war und ist eine Dienstleistung von SWITCH. Am 17. August 2009 haben wir zudem unsere von Grund auf überarbeiteten Websites im neuen Corporate Design aufgeschalten.
„SWITCH hatte schon immer eine liberale Policy für die Vergabe von Domain-Namen. Die Schweiz hat, wie Sie korrekt feststellen, eine der höchsten Domain-Namen-Dichten der Welt.“
Zwischen Ende 2000 und Mitte 2009 haben sich die registrierten CH- und Li-Domains um 282% auf über 1,3 Mio erhöht. Das Verhältnis Einwohner der Schweiz zur registrierten Domain beträgt 5.85. Somit besitzt rund jeder sechste Einwohner der Schweiz eine Domain. Trotzdem dürfte es kaum mehr als 500.000 CH- und Li-Websites geben. Anderseits ist die Anzahl der geparkten CH- und Li-Domains im Vergleich zu anderen Top Level Domains sehr bescheiden. Wie erklären Sie diese Situation?
SWITCH hatte schon immer eine liberale Policy für die Vergabe von Domain-Namen. Die Schweiz hat, wie Sie korrekt feststellen, eine der höchsten Domain-Namen-Dichten der Welt. Im Gegensatz zu anderen Ländern können Sie bei uns auch einen Domain-Namen registrieren, wenn Sie noch keine Website haben. Oder wenn Sie nicht in der Schweiz ansässig sind. Weitere Faktoren sind a) der günstigere Preis. Im Vergleich mit europäischen Registrierungsstellen sind wir bei den günstigeren und b) die Mehrsprachigkeit, denn die Domain-Namen werden auch in Französisch, Italienisch oder Englisch registriert. Auf unserer Website www.domain-statistik.ch finden sich nebst dem Bestand auch die Domain-Namen-Dichte pro Gemeinde in absoluten Zahlen.
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