CEO-Interview Lidl Schweiz GmbH | Donnerstag, 23. Juli 2009 | 65541

„Wir haben den Schweizer Markt eingehend analysiert. Es gibt Platz. Wichtig ist doch eine Vielfalt unter den Anbietern. Diese ging in der Schweiz in den letzten Jahren verloren. Nun kehrt diese Vielfalt zurück.“



Andreas Pohl, GL-Vorsitzender Lidl Schweiz GmbH

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 Andreas Pohl, Geschäftsleitungs-Vorsitzender Lidl Schweiz GmbH.
 

von Radovan Milanovic

Mitte März hat Lidl 13 Filialen in der Schweiz eröffnet. Was ist Ihre Bilanz der ersten 100 Tage? Denn das ideale Timing eines Markteintritts für einen Lebensmittel-Discounter ist die Rezession. Wie stellen Sie sich dazu?

Wir können sagen, dass wir sehr zufrieden mit dem Kundenzuspruch der ersten Monate sind. Das Eröffnungsdatum 19.03.2009 wurde in unserer internen Planung bereits seit längerem festgesetzt, unabhängig von den gegenwärtigen wirtschaftlichen Gegebenheiten.

Im Vorfeld der Aufnahme Ihrer Geschäftstätigkeiten in der Schweiz, d.h. bereits im Dezember 2008, haben Sie sich an die Wettbewerbskommission, die Weko, gewandt, da Coop die Markenhersteller unter Druck setzte, Sie nicht zu beliefern. Hat sich das Problem in der Zwischenzeit gelöst? Die Weko hat offen gelassen, ob sie gegen Coop und Migros diesbezügliche Verfahren einzuleiten. Wurde ein entsprechendes Verfahren eingeleitet?

Wir haben uns im Dezember 2008 im Interesse unserer Lieferanten an die Weko gewandt, zu allfälligen Verfahren der Weko können wir uns derzeit nicht äussern.

Sind Sie nun frei bei der Wahl Ihrer Produzenten und Zulieferer? Was sind die Gründe, wieso Sie Produkte wie Zweifel Chips, Feldschlösschen, Lindt …nicht mit an Bord nehmen?

Wir haben unser Sortiment mit 1800 Artikeln festgelegt und pflegen eine gute und faire Zusammenarbeit mit unseren Lieferanten. Unser Sortiment kommt bei unseren Kundinnen und Kunden sehr gut an. Es gibt also keinen akuten Handlungsbedarf. Trotzdem wollen wir attraktiv bleiben und prüfen immer wieder die Bedürfnisse unserer Kundinnen und Kunden. Wir haben zunehmend Anfragen von Schweizer Lieferanten. Wir werden jede Anfrage prüfen.

Mit Lieferanten wie Nestlé, Traitafina, Emmi, Max Havelaar und Hug haben Sie im Gegenzug vereinbart, dass diese Firmen auch Lidl Deutschland beliefern können. Ist dies bereits der Fall? Wie ist die Akzeptanz deutscher Kunden auf hochpreisige Produkte bei einem Lebensmitteldiscounter wie Lidl?

Das ist sicher ein interessanter Aspekt für unsere Lieferanten. Wichtige Voraussetzung ist aber eine kontinuierliche und faire Zusammenarbeit in der Schweiz. Teilweise gab es bereits vor der Eröffnung von Lidl Schweiz eine Zusammenarbeit. Wir werden weiteren Möglichkeiten prüfen.

„…dass fast sämtliche unsere Produkte spezifische Schweizer Ausstattungen und Deklarationen benötigen. Daher müssen diese Verpackungen speziell für die Schweiz hergestellen…“

Ein erster Preisvergleich von 50 Produkten mit Ihrem Schweizer Konkurrenten Aldi durch den K-Tipp zeigt, dass Ihr Warenkorb 2,3% günstiger ist, als Aldis. Anderseits ist der gleiche Warenkorb in der Schweiz bei Ihnen 29,8%, bei Aldi Schweiz 28,3% teurer als der identische in Deutschland. Wie begründen Sie diesen Preisunterschied?

Wir möchten darauf hinweisen, dass die Schweiz mit den bestehenden Gegebenheiten und Gesetzen (Zölle, Handelshemmnisse etc.) eine Besonderheit darstellt. Ein Beispiel ist, dass fast sämtliche unsere Produkte spezifische Schweizer Ausstattungen und Deklarationen benötigen. Daher müssen diese Verpackungen speziell für die Schweiz hergestellt und gedruckt werden. Dies gilt auch für Produkte im Near-Food Bereich. Dies führt unter anderem zu den angesprochenen Preisunterschieden.

Der schweizerische Gewerbeverband geht davon aus, dass der Detailhandel in 2009 mit einem gesättigten Markt, Überkapazitäten und einem Strukturwandel konfrontiert sein wird.  Trotzdem sind Sie äusserst optimistisch, was den Schweizer Markt betrifft. Anderseits tut sich Lidl in Skandinavien schwer und hat sich 2008 gar aus Norwegen zurückgezogen. Was sind die Gründe für den Rückzug?  

Zu Entscheidungen anderer Landesgesellschaften können wir uns als Lidl Schweiz nicht äussern.

Der Eintritt von Aldi in den Schweizerischen Lebensmittelhandel hat die Konsumenten polarisiert. Die einen standen dem Discounter reserviert gegenüber, die anderen freuten sich mit dem Argument, dass Coop und Migros gezwungen wurde, die künstlich hoch gehaltenen Lebensmittelpreise zu senken. In der Zwischenzeit ist der Discounter akzeptiert und weist seit seiner Eröffnung vor drei Jahren 1 Milliarde Franken Umsatz oder 2,5% des Schweizerischen Detailhandelsumsatzes aus. Wo wollen Sie in drei Jahren stehen?

Wir machen generell keine Aussagen zu Geschäftszielen. Wir wollen ein Nahversorger für die Konsumentinnen und Konsumenten in der Schweiz sein. Mit unserem sehr guten Preis- Leistungsverhältnis können wir überall in der Schweiz punkten.

[1] 2 Fortsetzung...

• Lidl Schweiz


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