Kolumne | Montag, 16. März 2009 15:54 | 60861

«Wie auch heute war Amerika im 19. Jahrhundert durch ein Handelsbilanzdefizit geprägt, wodurch ständig Gold aus dem Land abgezogen wurde, was die Goldreserven deutlich verringerte. Als im Sommer 1857 die Banken die Zinsen massiv anhoben, um das Abwandern der Goldreserven zu verhindern, brach die Spekulationsblase mit Pauken und Trompeten zusammen.»



Artur P. Schmidt: Die erste grosse Weltwirtschaftskrise 1857

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 Skizze zur Weltwirttschaftskrise im Harper's Magazine von 1857.
 

USA glücklicherweise noch ohne Fed
In den USA gab es damals glücklicherweise noch keine Zentralbank, welche die Krise hätte verschärfen können. Wohl deshalb war bereits Ende 1857 das Allerschlimmste überstanden und die Wirtschaft erholte sich innerhalb von ein bis zwei Jahren recht schnell wieder von der Krise. Eine grosse Depression blieb aus. Es gab auch zahlreiche Profiteure der Wirtschaftskrise wie Cornelius Vanderbilt oder Moses Taylor, die durch niedrige Aktienkurse und zahlreiche Pleiten die Stellung ihrer Unternehmen stärken konnten. Da der Süden Amerikas aufgrund der niedrigen Preise für Baumwolle nicht so stark unter der Krise litt, wurden die Spannungen zwischen den Nord- und Südstaaten im Laufe der Zeit immer grösser, was mit zum Ausbruch des amerikanischen Bürgerkrieges im Jahre 1861 führte.

Die erste Weltwirtschaftkrise in Europa
Auch in Europa hatte ein Gründerboom die Börsen bis zum Jahr 1857 auf neue Höchststände geführt. Während in Frankreich Eisenbahnaktien en vogue waren, in Grossbritannien Eisenbahnaktien und Weizen, in Skandinavien Schiffsbau und Bergwerke, waren in Deutschland vor allem Bankaktien das Hauptspekulationsobjekt - mit Ausnahme von Hamburg, wo vor allem in Zucker und Kaffee spekuliert wurde. Während es zu Beginn des 19. Jahrhunderts in Deutschland noch wenige Privatkredite gab, änderte sich dies mit dem Aufkommen der Privatbankiers zur Mitte des Jahrhunderts. So entstanden neue Banken, insbesondere Kreditgenossenschaften und Aktienbanken, die das Recht hatten, eigenes Geld in Umlauf zu bringen. Durch die Überschwemmung der Wirtschaft mit Krediten rasten die Bankaktien zu immer neuen Höchstständen, wobei das Ende des Krimkrieges die Kurse weiter beflügelte. Als immer mehr Neuemissionen den Markt überschwemmten, kamen die europäischen Finanzmärkte ab Ende August 1856 immer mehr unter Abgabedruck. Anfang des Jahres 1857 sorgten Gerüchte über ein vollkommenes Zahlungsverbot für ausserpreussische Geldscheine für weitere massive Abgaben. Im Spätsommer 1857 verursachte der Crash in Amerika zunächst einen Banken-Run in London, Edinburgh und Dublin. Zur Krisenvermeidung setzte die Regierung den Peelschen Bankakt ausser Kraft, ein Gesetz von 1844, welches die Bank of England in eine von den Direktoren geleitete Bank-Abteilung (frei von staatlichen Einschränkungen) und eine Notengeld-Abteilung aufteilte.

Gier greift um sich
Auch Hamburg, das intensive Wirtschaftsbeziehungen zu England, den USA und Skandinavien pflegte, wurde zunehmend von der Krise getroffen. Die Hamburger Kaufleute, sonst auf Ehrlichkeit und Verlässlichkeit ihrer Geschäfte bedacht, packte Mitte des 19. Jahrhunderts ebenfalls die Gier. Man verlieh exzessiv Geld. In grossem Umfang wurden Handelswechsel in Umlauf gebracht, welches zu einer immer hemmungsloseren Wechselreiterei ausuferte. Für die Banken waren es zwar riskante, aber gewinnbringende Spekulationsgeschäfte. Insbesondere der Handel mit Nordamerika warf hohe Gewinne ab. Zwei der bekanntesten Gründungen war die 1847 von den Unternehmern Merck, Godeffroy, Laeisz gegründete "Hamburg-Amerikanische Packetfahrt-Actiengesellschaft" (Hapag) und die von Solman 1850 gegründete Dampferlinie nach Amerika, dem "Land der unbegrenzten Möglichkeiten".

Boomender Handel mit Skandinavien
Aber auch der Handel mit Skandinavien boomte. Insbesondere die von schwedischen Firmen gewährten Schiffsbau- und Bergbaukredite sollten 1857 vielen Hamburger Unternehmen zum Verhängnis werden, wie dem alteingesessenen Kolonialhandelsunternehmen Conrad Warneke. Als die Weltwirtschaftskrise im Herbst 1857 nach Hamburg überschwappte, blieb kein Handelshaus von diesem Erdbeben verschont. Denn kein Mensch wollte die im Hamburger Hafen liegenden Waren aus aller Welt im Wert von 500 Millionen Mark abrufen. Termingeschäfte wurden nicht abgerufen und immer mehr Wechsel platzten. Die Hamburger Krise überrascht umso mehr, als die Weltwirtschaftskrise aus den künstlich erhöhten Preisen der Papierwährungen entstand, Hamburg jedoch nur Silbergeld einsetzte. Auch das Auflegen eines Hilfsfonds, der zu einem Drittel aus Staatsanleihen und zwei Drittel aus geliehenem Silber bestehen sollte, scheiterte, da niemand bereit war, den ehrbaren Hamburger Kaufleuten Kredit zu geben.

Schwarzer Dezember
Am 8. Dezember 1857 erreichte die Krise ihren Höhepunkt, als nahezu alle Hamburger Banken vor der Pleite standen und Handelsschiffe, aus Angst, kein Geld zu bekommen, nicht mehr entladen wurden. Dann kam die erlösende Nachricht aus Wien. Österreich würde die benötigten Mittel bereitstellen. Am 12. Dezember 1857 traf der "Silberzug" mit 13 mit Silberbarren beladenen Waggons in der Hansestadt ein, womit Hamburgs Unternehmen gerettet waren. Innerhalb von sechs Monaten wurden die gesamten Schulden plus sechs Prozent Zins von den Hanseaten zurückbezahlt. Es dauerte zwar noch einige Monate, bis die Hamburger Wirtschaft und in Folge auch Skandinavien wieder Tritt fassten, da eine weltweite Rezession nach den Ereignissen von 1857 die Folge war, doch das Schlimmste war überstanden.


Artur P. Schmidt
Der Wirtschaftskybernetiker Dr.-Ing. Artur P. Schmidt wurde in Stuttgart geboren. Er besuchte im Stadtteil Zuffenhausen das Ferdinand-Porsche-Gymnasium und machte dort das Abitur. Das Studium der Luft- und Raumfahrttechnik in Stuttgart und Berlin schloss er im Alter von 27 Jahren mit  der Bestnote im Fachgebiet Raketentechnik ab, so dass ihm von Prof. H.H. Koelle die Promotion angetragen wurde. Im Alter von 30 Jahren erhielt Artur P. Schmidt den Doktortitel für ein kybernetisches Marktanalyse-Verfahren am Beispiel der Strategischen Planung von Airbus Industries. Nach einer Beratungstätigkeit bei Anderson Consulting sowie als Leiter der Strategischen Analyse der Ruhrgas AG war Dr. Schmidt Stipendiant der Stiftung zur Förderung der systemorientierten Managementlehre und letzter Schüler von Prof. Hans Ulrich, dem Begründer des St. Galler Management-Ansatzes. Während dieser Zeit begann Dr. Schmidt seine publizistische Laufbahn, aus denen Bestseller wie «Endo-Management» und «Der Wissensnavigator» sowie Wirtschaftsbücher wie «Wohlstand_fuer_alle.com» oder «Crashonomics» hervorgingen. Sein neuestes Buch, welches im EWK-Verlag (www.ewk-verlag.de) erschienen ist, heisst  «Unter Bankstern».

Heute ist Artur P. Schmidt Herausgeber des Online-News-Portals www.wissensnavigator.com sowie der Finanz-Portale www.bankingcockpit.com, www.wallstreetcockpit.com, www.futurescockpit.com und www.optioncockpit.com sowie Geschäftsführer der Tradercockpit GmbH (www.cockpit.li). Dr. Schmidt ist ein gefragter Keynote-Speaker sowie Kolumnist für zahlreiche Finanzpublikationen.

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    "Der Aufkauf von Staatsanleihen der Banken durch die Zentralbanken stellt als letztes Aufbäumen ein girales Wirtschaftswunder dar, das jedoch anders als das Wirtschaftswunder von Ludwig Erhard nicht auf der Steigerung der Reallöhne basiert, sondern auf einer inflationären Ausweitung der Geldmenge."
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  • Artur P. Schmidt: St. Galler Denkblockaden
    «An der Universität St. Gallen wird dem Kopieren amerikanischer Lösungsansätze gehuldigt. Der eigenständige, endogene Ansatz scheint einem Plagiatismus gewichen, der kein eigenständiges Denken mehr erfordert, sondern das Ausschalten des Gehirns im Dienste einer Gleichschaltung, die sich bei näherem Hinsehen als eine lokale Herrschaftsdoktrin entpuppt.»
  • Artur P. Schmidt: Kreative Zerstörung fördert die Gesundung
    «Die negative Rückkopplungsschleife der kreativen Zerstörung bisheriger Exzesse ist ein notwendiger Anpassungsschritt um die Wirtschaft langfristig wieder zu gesunden. Die schwachen Firmen gehen unter und die starken überleben. Dazu zählen nicht nur klassische Industrieunternehmen sondern auch zahlreiche Private Equity–Firmen, die sich im allgemeinen Mergerwahn finanziell völlig verhoben haben.»
  • Artur P. Schmidt: Buchhaltungstricks pushen Bankgewinne
    «Es geht doch nichts über die Zahlen, die die Banken selbst gefälscht haben. Das Bankenwunder an der Wallstreet ist nichts anderes als ein übler Buchhaltungstrick, der sich als gefährliche Zeitbombe herausstellen wird.»
  • Artur P. Schmidt: Offener Brief an Wolfgang Porsche
    «Selbst bisher erfolgreiche Top-Manager scheinen von allen guten Geistern verlassen zu sein. Statt einer Manifestation der Sinne, was Sportwagen nun einmal sind, wird einer sinnlosen Masslosigkeit gehuldigt, bei der es längst nicht mehr um die Mitarbeiter und den Standort Stuttgart geht, sondern nur noch um faule Kompromisse, damit einige wenige weiter das grosse Sagen haben. »
  • Artur P. Schmidt: Schwarzes Geldloch – Der grösste Betrug aller Zeiten
    «Je mehr die Fed die Märkte zu manipulieren versucht, desto länger wird die aktuelle Krise andauern. Diese ist alles andere als in Bälde vorbei, wir befinden uns aktuell wohl eher im scheinbaren stillen Auge des Finanz-Hurrikans.»
  • Artur P. Schmidt: Szenario 2010 - Verbot von Bilderberger-Treffen
    «Die obersten Bundesrichter in den USA prüfen gerade ein Amtsenthebungsverfahren gegen Präsident Barack Obama, da er die Krise durch sein Festhalten an den Gelddruckkünstlern Geithner und Bernanke immer weiter eskalieren liess.»
  • Artur P. Schmidt: Porsche ist alles andere als pleite
    «Kaum ein anderes Unternehmen in Deutschland hat in den letzten Jahren eine bessere Gewinnentwicklung hingelegt als Porsche. Genau deshalb konnte man sich die Mehrheitsbeteiligung an Volkswagen leisten. Das profitabelste aller deutschen Auto-Unternehmen ist alles andere als pleite, es ist lediglich der Anlauf zur Übernahme von Volkswagen gescheitert.»
  • Artur P. Schmidt: Es lebe die Freiheit!
    «Während der Bush-Cheney-Junta haben die grossen Rüstungskonzerne Milliarden mit dem 2. Irakkrieg verdient, die Banken mit immer neuen Derivaten diesen Wahnsinn finanziert, während die Steuerzahler jetzt für die Exzesse über eine ausufernde Staatsverschuldung zur Kasse gebeten werden.»
  • Artur P. Schmidt: Tanz der Management-Vampire – Der Malik-Ansatz
    Diese Kolumne ist nicht länger verfügbar. Leider hatte Herr Malik wenig Sinn für den kritischen Kommentar des Kolumnisten Artur P. Schmidt. Anstatt ihn zum Beispiel zum Wortgefecht auf Moneycab aufzufordern oder mit einer eigenen Kolumne gekonnt Paroli zu bieten, liess er über seine Rechtsanwälte, die ihn persönlich wie auch das Malik Management Zentrum St. Gallen AG und die Malik Gruppe vertreten, eine Klage wegen Persönlichkeitsverletzung androhen.
  • Artur P. Schmidt: Amerikas finanzieller Supergau
    «Schon heute ist abzusehen, dass Amerika den Verpflichtungen seiner Gläubiger ohne deren Schuldenverzicht nicht nachkommen können wird. Tim Geithners gegenteiligen Bekundungen ist wenig Glaubwürdigkeit zu schenken, auch wenn es Ben Bernanke durch den Rückkauf von Staatsanleihen immer wieder gelingt, den Verfall der Bondpreise auf Kosten der Fed-Bilanz zu bremsen.»
  • Artur P. Schmidt: US-Staatsanleihen zum Abschuss freigegeben
    «Alles was in den letzten Monaten von Seiten der Fed und der US-Regierung getan wurde, hat nur scheinbar das Vertrauen in die Finanzmärkte zurückgebracht. Sobald das Auge des Hurrikans verlassen wird, dürften die Aktien- und Bondmärkte in ihre finale Abwärtsspirale übergehen, an deren Ende eine Hyperinflation und ein möglicher Staatsbankrott der USA stehen.»
  • Artur P. Schmidt: Die Rallye steht auf tönernen Füssen
    «So lange die Fed versucht, die Zinsen künstlich niedrig zu halten und durch die gigantischen Aufkäufe von Anleihen eine Bondblase grössten Ausmasses erzeugt, besteht die Gefahr eines noch grösseren Crashs, als wir ihn bisher gesehen haben.»
  • Artur P. Schmidt: Droht ein neuer Krieg ums Öl?
    «Von einem Wandel in der Politik in den USA ist bisher ebenfalls nichts zu spüren, vielmehr wird immer mehr in alte Rituale zurückgefallen. Öl ist immer noch das alles beherrschende Thema für die US-Wirtschaft und genau aus diesem Umstand heraus hat Präsident Obama die Verteidigungsausgaben nicht gesenkt, sondern um weitere 10 Prozent erhöht.»
  • Artur P. Schmidt: Europas historische Chance
    «Je mehr die amerikanische Federal Reserve über Bailouts versucht das System zu stabilisieren und je mehr Geld sie dafür über angekaufte Anleihen in den Umlauf bringt, desto katastrophaler wird sich die Weltwirtschaft entwickeln, wenn der Hurrikan in Bälde mit voller Wucht auf das amerikanische Festland trifft.»
  • Artur P. Schmidt: Protektionistische Sandkastenspiele
    «Der freie Handel ist für die chinesische Wirtschaft von fundamentaler Bedeutung und protektionistische Gegenmassnahmen der USA oder aus Europa dürften auch der chinesischen Wirtschaft schwer zusetzen. Die "Wie du mir, so ich dir"-Strategie dürfte sich somit für China sehr schnell als Boomerang herausstellen.»
  • Artur P. Schmidt: Derivate-Supergau ante portas?
    «Bei einem weltweiten Derivatevolumen von 863'000 Milliarden Dollar einem Anteil von 8 Prozent davon an Swaps beträgt der weltweit aufgelegte Betrag am gefährlichsten Finanzinstrument mittlerweile etwa 69'000 Milliarden Dollar, d.h. das 1.25-fache des Weltbruttosozialproduktes von etwa 54'500 Milliarden Dollar.»
  • Artur P. Schmidt: Erst Hyperdeflation, dann Hyperinflation?
    «Wer wie Ben Bernanke glaubt, dass man sich mit immer grösseren Schulden den Weg aus der Kreditverknappung ebnen kann, hat die eigentliche Ursache der Krise nicht begriffen, die eben in einer immer grösseren Verschuldung liegt. Wenn jetzt der Staat mit seiner planwirtschaftlich organisierten Hyperverschuldung das gleiche wie die Konsumenten tut, dann werden wir noch mehr Hyperillusionen ernten.»
  • Artur P. Schmidt: Terminator 5 – Kampf gegen die Finanzmaschinen
    «Über viele Jahre war es gar nicht notwendig gewesen, dass Bankkunden ihre Konten leerten, da dies ja zuvor bereits die Bankster übernommen hatten. Doch mit dem Bankenrun sassen nun die Bankster ohne jegliche Einlagen auf gigantischen Schuldenbergen, ruinierten Kundenkonten oder unsinnigen Bad Banks.»


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