Swissmetal | Dienstag, 13. Januar 2009 | 58119

"Aufgrund der derzeitigen, in seiner Dimension nicht klar einschätzbaren Weltwirtschaftskrise hat Swissmetal jedoch nun zuerst einmal Massnahmen für verschiedene konjunkturelle Szenarien entwickeln müssen. Je nach Rückgang des Geschäftsvolumens wird Swissmetal auf Massnahmen wie dem Abbau von Überstunden-Konten und Urlaubstagen sowie die Reduktion von Temporärkräften sowie die Anordnung von Kurzarbeit zurückgreifen."



Martin Hellweg, CEO Swissmetal Gruppe

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 Martin Hellweg, CEO Swissmetal Gruppe.
 

von Radovan Milanovic

In den ersten neun Monaten in 2008 erwirtschaftete die Swissmetal-Gruppe einen Bruttoumsatz von CHF 260.3 Mio. und damit CHF 55.2 Mio. weniger als in der Vergleichsperiode des Vorjahres. Die Gründe dafür liegen in niedrigeren Metallpreisen sowie dem verminderten Produktionsvolumen infolge der Produktionsumstellung auf die neue Extrusionspresse. Das operative Ergebnis vor Abschreibungen (EBITDA) betrug zwischen Januar und September CHF 13.2 Mio. und nahm um CHF 11.7 Mio. Das operative Ergebnis (EBIT) machte CHF 3.1 Mio. aus und reduzierte sich gegenüber dem Vorjahr um CHF 9.6 Mio. Welches sind Ihre Prognosen für das Gesamtjahr 2008?

Die Umstellung auf unsere neue Extrusionspresse hatte einen grossen Einfluss auf das abgelaufene Geschäftsjahr. Der Auftragseingang als solches war bis zum 3. Quartal stark - stärker als im Vorjahr. Aber wir konnten nicht alle Aufträge produzieren, da die neue Extrusionspresse viele „Kinderkrankheiten“ hatte. Da mussten wir durch. Natürlich denkt man immer wieder mal daran, welch ein gutes Jahr 2008 hätte werden können, wenn wir diese technische Umstellung nicht gehabt hätten. Aber das ist reine Theorie. In der Realität konnten wir mit den Belastungen aus der Umstellung auf die neue Extrusionspresse nun noch anstreben, ein ausgeglichenes Ergebnis zu erreichen. Der Jahresabschluss 2008 ist noch im Gange. Wir planen, die definitiven Zahlen im April veröffentlichen zu können. Bereits im Dezember schätzten wir aber schon einmal, dass der Wertschöpfungsteil des Umsatzes, der Bruttobearbeitungsumsatz der produzierenden Werke, bei ca. CHF 110 Mio. liegen wird.

Sie konnten den Personalaufwand bis Ende September im Vergleich zur Vergleichsperiode in 2007 um CHF 9.3 Mio. auf CHF 48.4 Mio. senken. Was ist der Grund für die rund 16%ige Senkung der Personalkosten?

Hintergrund ist der industrielle Umbau im Rahmen unserer Strategie für die Jahre 2006 bis 2010. Dieser ist verbunden mit einem umfangreichen Investitionsprogramm in unsere technischen Anlagen. Wesentliche Bausteine dieses Programms sind der Aufbau einer modernen Warmverformung für die Schweizer Produktion – dazu gehört die Anschaffung der neuen Extrusionspresse -, die Zusammenlegung zweier Werke in Reconvilier unter einem Dach und die damit verbundene Optimierung des Warenflusses, die Aufwertung der Produktionsmöglichkeiten in Lüdenscheid, hin zur Fertigung höherwertiger Spezialitätenprodukte sowie der Aufbau einer asiatischen Endkonfektionierung von Drähten und Stangen aus Kupferlegierungen, insbesondere für den in Asien starken Kugelschreibermarkt. Dieser industrielle Umbau schafft unter anderem Effizienzen, welche sich so zum Beispiel im geringeren Personalaufwand reflektieren.

Swissmetal konnte am deutschen Standort Lüdenscheid einen Firmentarifvertrag unterzeichnen, welche den aktuellen Tarifvertrag mit einer Laufzeit bis mindestens Ende 2010 verlängert. Im Gegenzug sichern Sie die Erhaltung des Produktionsstandortes Lüdenscheid bis Ende 2014 zu. Schränken solch lange Verpflichtungen nicht die rasche Reaktionsfähigkeit im schwierigen konjunkturellen Umfeld ein? 

Der Tarifvertrag ist für uns sehr attraktiv. Er trägt zur Finanzierung der Investitionen in den Standort Lüdenscheid bei. Und die Standortfrage stellt sich aus unserer Sicht für Lüdenscheid nicht im hier genannten Zeitraum. Lüdenscheid ist ein Eckpfeiler unserer Produktion. Die Warmverformung dort ist auf absehbare Zeit sehr wichtig für uns.

Sehen Sie einen Unterschied in der Veränderung der Auftragseingänge zwischen Europa und den USA?

Viele unserer Geschäfte sind global und folgen den gleichen Dynamiken über die Regionen hinweg. Wir sehen daher Nachfrageunterschiede eher zwischen unseren Marktsegmenten. Swissmetal liefert an eine Vielzahl von Abnehmerindustrien, die unterschiedliche Dynamiken kennen. Bei einer solch globalen und nahezu alle Industrien betreffenden Weltwirtschaftskrise wie der, die wir heute erleben, müssen wir über alle Bereiche hinweg mit einer für einige Monate deutlich geringeren Geschäftstätigkeit rechnen. Der Décolletagemarkt ist dabei recht volatil. Wir verzeichneten hier in den vergangenen zwei Monaten einen deutlichen Nachfragerückgang. Auch das Segment der Drähte und Stangen für die Kugelschreiberindustrie, in dem Swissmetal Weltmarktführer ist, sowie das der Uhrenindustrie reagierten sensibel auf die aktuelle Konjunkturlage.

Trotz der Weltwirtschaftskrise bereitet uns das Segment Generatorenbau Freude. Hier besitzt Swissmetal bezüglich Technologie und Marktanteil eine führende Stellung und konnte in den letzten Jahren erfreuliche Wachstumsraten verzeichnen. Der Markt erscheint weiterhin robust. Wir erwarten auch für 2009 einen weiteren Zuwachs. Recht stabil ist auch die Nachfrage bei unsere hochwertigen Drähten und Stangen für Präzisions-Steckverbinder, die in der Telekommunikation, der Elektronik, der Informationstechnologie sowie der Luft- und Raumfahrtindustrie Anwendung finden. Wir konnten in diesem Markt bis heute noch keinen nennenswerten Rückgang der Nachfrage feststellen.

"Trotz der Weltwirtschaftskrise bereitet uns das Segment Generatorenbau Freude. Hier besitzt Swissmetal bezüglich Technologie und Marktanteil eine führende Stellung und konnte in den letzten Jahren erfreuliche Wachstumsraten verzeichnen." (Martin Hellweg, CEO Swissmetal Gruppe)

Auf geografischer Basis veränderte sich der Bruttoumsatz im vergangen Jahr kaum zum Vorjahr. Rund 75% decken jedoch Länder ab, bei denen die Konjunkturaussichten nicht die besten sind. In China und Indien andererseits wickeln Sie wie im Vorjahr 9% des Umsatzes ab. Werden Sie den Absatz in diesen Märkten ausbauen? Wie sind Sie gegen eine Konjunkturverlangsamung gewappnet?

Insgesamt sind die Aussichten für hochwertige Produkte aus Kupferlegierungen positiv. Es werden in Zukunft eher mehr als weniger unserer Produkte gebraucht. Dies sowie der allgemein steigende Weltwohlstand mit immer mehr Nutzern von Applikationen, in denen unsere Produkte stecken – vom Flugzeug bis zum Stromgenerator – führen dazu, dass wir auf globaler Ebene langfristig ein weiteres Wachstum sehen.

Aufgrund der derzeitigen, in seiner Dimension nicht klar einschätzbaren Weltwirtschaftskrise hat Swissmetal jedoch nun zuerst einmal Massnahmen für verschiedene konjunkturelle Szenarien entwickeln müssen. Je nach Rückgang des Geschäftsvolumens wird Swissmetal auf Massnahmen wie dem Abbau von Überstunden-Konten und Urlaubstagen sowie die Reduktion von Temporärkräften sowie die Anordnung von Kurzarbeit zurückgreifen. Im Extremfall würden auch die temporäre Stilllegung einzelner Anlagen sowie weitere, konjunkturbedingte personelle Restrukturierungsmassnahmen erwogen. All dies wollen wir rechtzeitig und proaktiv evaluieren und umsetzen, aber auch wohldosiert und möglichst sozialbverträglich.

Mit dem industriellen Umzug in Reconvilier vom Werk 2 in das nahe Werk 1 sowie den technischen Anpassungen der neuen Extrusionspresse dürfte die Produktion erweitert werden. Können Sie uns die Funktionen dieser Presse erklären? Die anhaltenden Schwierigkeiten mit der Extrusionspresse und die entstandenen Lieferengpässe haben denn auch das Resultat der ersten neun Monate des Geschäftsjahres 2008 negativ beeinflusst. Wann dürften diese Probleme gelöst sein?

Die Zusammenführung der beiden Werke in Reconvilier unter einem Dach kann als erfolgreich abgeschlossen betrachtet werden. Das Anfahren der neuen Extrusionspresse in Dornach hingegen ist noch ein laufendes Projekt. Wenn auch wesentliche Fortschritte in den letzten Wochen erzielt wurden, bleibt noch viel Potenzial für Verbesserungen. Der Entwicklungssprung, den diese neue Anlage darstellt, muss von uns mit vollzogen werden. Wir müssen neues lernen, alternative Produktionsprozesse testen, umstellen, optimieren, etc. Auch wenn die gröbsten Probleme, die so genannten „Kinderkrankheiten“ der Extrusionspresse im Wesentlichen beseitigt sind, gibt es hier noch einigen Raum für Verbesserungen.

Sie setzen grosse Hoffnungen auf Ihre Dachziegel aus Architekturbronze, welche als Wärmequelle für Wärmepumpen eingesetzt werden. Gemäss Ihren Aussagen stösst das Produkt auf enormes Interesse. Zurzeit befindet es sich noch in der Entwicklung. Wann glauben Sie, dass Sie mit diesem „Blockbuster“ auf den Markt kommen werden und was für ein Potenzial sehen Sie in diesem Produkt?

Aktuell betreiben wir Pilotinstallationen wie beispielsweise die auf dem Haus der Energie in Luzern, von der wir kürzlich berichteten. Parallel arbeiten wir an der Vorbereitung der industriellen Serienfertigung. Mit dem kommerziellen Vertrieb unseren Dachziegel möchten wir noch vor Ende des 1. Halbjahrs 2009 beginnen. Auch wenn das Potenzial nur schwierig abschätzbar ist, merken wir doch deutlich, dass das Interesse an unseren Energie erzeugenden Dachziegeln gross ist. Es gibt bereits heute – bevor wir den Ziegel vermarkten und bevor wir ihn in Serie produzieren - viele Anfragen. Es freut uns sehr, dass unsere neuartige Kombination aus ästhetischem Design und hoher Funktionalität durch die Nutzung regenerativer Energie so gut ankommt.

[1] 2 Fortsetzung...

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